B.T.W.
===============
THIS IS NOT A BLOG ! “It’s the economy, stupid.”
![]()
![]()
![]()
Goethe paraphrasierend:
“Wie man Zeit und Geld vertan
zeigt die Seite lustig an.”
“Gedanken schön gekämmt, frisirt.” (H. Heine)
Disclaimer: V.i.S.d.P. ist für diese Seite nur Christoph Schäfer und sonst keiner. ![]()
===============
“NON OMNIA POSSUMUS OMNES”
“Wir können nicht alle alles”
Vergil, Eklogen 8, 63
-——————————————————————————————————-
![]()
“Friedliche Gesinn
Bett, gutes Essen, Milch und Butter, sehr frisch, vor dem Fenster Blumen,
vor der Thüre einige schöne Bäume, und wenn der liebe Gott
glücklich machen will, läßt
etwa sechs bis sieben meiner Feinde aufgehängt werden. ![]()
– Mit gerührtem Herzen werde ich ihnen vor ihrem Tode alle Unbill verzeihen die sie mir im Leben zugefügt – ja, man muß seinen Feinden verzeihen, aber nicht früher als bis sie gehenkt worden. – Versöhnlichkeit, Liebe, Barmherzigkeit.”
(DHA, Bd. 10, S. 341)
Möge sich hiervon angesprochen fühlen wer mag:
“Gesicht wie ein Fötus in Weingeist – "
Heinrich Heine
“(…)
Es ist wahr: ich verdiene noch meinen Unterhalt
Aber glaubt mir: das ist nur ein Zufall. Nichts
Von dem, was ich tue, berechtigt mich dazu, mich sattzuessen.
Zufällig bin ich verschont. (Wenn mein Glück aussetzt, bin ich verloren.)
Man sagt mir: Iß und trink du! Sei froh, daß du hast!
Aber wie kann ich essen und trinken, wenn
Ich dem Hungernden entreiße, was ich esse, und
Mein Glas Wasser einem Verdurstenden fehlt?
Und doch esse und trinke ich.
Ich wäre gerne auch weise.
In den alten Büchern steht, was weise ist:
Sich aus dem Streit der Welt halten und die kurze Zeit
Ohne Furcht verbringen
Auch ohne Gewalt auskommen
Böses mit Gutem vergelten
Seine Wünsche nicht erfüllen, sondern vergessen
Gilt für weise.
Alles das kann ich nicht:
Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!
(…)"
B.B.
03.09.2010
Nachtrag: geht doch, soeben kam eine freundliche mail des Herrn Weber (ZVAB), wir sind draußen, noch vouchers, no Michel ! Thanx !
Soeben über den Mitgliederbereich eine Nachricht folgenden Inhalts an das ZVAB geschickt:
“ZVAB Mitgliederservice / Customer Care
Hauptstr. 2
82327 Tutzing”
“Tuh Kastohmer Kähr – tu humm itt mäh conzährn:
Sehe soeben, daß wir auch ungefragt für Gutscheine freigeschaltet wurden, bitte machen Sie das wieder rückgängig.
Grundsätzlich würde ich in allen Fällen das umgekehrte Verfahren erwarten, to opt in, not to opt out !
Was ist nun mit dem Michel ? Haben Sie uns da rausgenommen ?
Grüße,
Christoph Schäfer"
02.09.2010
@ZVAB:
Jenseits aller juristischen Überlegungen wird auch noch sprachlicher Unfug betrieben. Wie schon RFM bemerkt hat nehmen natürlich nicht ALLE Antiquare am HolzMichel teil, wie es online im Börsenblatt heißt, die “Elite” verweigert sich, mit gutem Grund.
Aber er ist schon gar nicht DAS “Fenster zum Antiquariat”, sondern bestenfalls eine Art Rückspiegel, der den Blick auf längst verkaufte Titel einiger teilnehmender Händler ermöglicht.
Was sollte das auch für ein Fenster sein ? Ins Schaufenster legen wir schöne Bücher, die Flaneure erwerben können, keine Pakete mit Adressaufklebern, die signalisieren, Ätsch, alles weg !
Sozusagen die bibliotheque imaginaire.
01.09.2010
@ZVAB:
Immerhin, soeben eine freundliche, inhaltlich allerdings unbefriedigende mail von Herrn Wufka erhalten, als Reaktion auf meine Kommentare im online-Börsenblatt.
Weiterer Diskussionsbedarf ist gegeben.
31.08.2010
Neue Spielzeit mit Theater-Stars: Eva Mattes singt Heines Loreley (RP ONLINE, 31.08.2010)
30.08.2010
Soeben beim ZVAB, per Adresse Frau Tiedt und “info”, nachgefragt, da mir bisher keine Antwort vorliegt, es geht um die Vorratsdatenspeicherung unserer Daten (s.u.).
20.08.2010
Es geht um die neueste Zumutung auf dem virtuellen Marktplatz, den Holzmichel des ZVAB.
Meine mail ans ZVAB:
Betr.: Widerspruch „Büchermichel“-Auswertung unserer Verkaufsdaten
Sehr geehrte Damen und Herren,
da geht man im Urlaub einmal ins Netz und dann gleich so etwas:
„Beide haben dafür die auf der Plattform von ZVAB.com verkauften Titel seit Januar 2007 ausgewertet und katalogisiert, sofern der Verkaufspreis 30,00 Euro oder mehr betrug. Die Auswertungen werden laufend aktualisiert, angestrebt wird, ohne Gewähr, eine monatliche Aktualisierung.“
Bitte erläutern Sie mir auf welcher Rechtsgrundlage Sie unsere Verkäufe so lange abspeichern und dann diese Daten auch noch vermarkten.
Ich möchte dieser mir bis heute unbekannten Praxis energisch widersprechen und Sie bitten unsere Daten nicht unautorisiert zu speichern sowie diese auch noch an branchenfremde Dritte weiterzugeben.
Wir wollen uns mit unseren Daten nicht an solchen Projekten beteiligen, schon gar nicht ungefragt und rückwirkend.
Bitte löschen Sie die Daten unserer über Sie verkauften Bücher, wenn die Verkäufe abgerechnet sind, gibt es keinen Grund und m.E. auch keine Berechtigung mehr diese weiter zu speichern, und schon gar keine sie weiterzugeben.
„Urheberrecht
Alle Rechte, auch die des auszugsweisen Nachdrucks, der Vervielfältigung und der Verbreitung in besonderen Verfahren wie fotomechanischer Nachdruck, Fotokopie, Mikrokopie, elektronische Datenaufzeichnung einschließlich Programmierung, Speicherung und Übertragung auf weitere Datenträger sowie die Übersetzung in andere Sprachen, behält sich ZVAB Bücher MICHEL vor.“
Sie können auch kein Urheberrecht für unsere Beschreibungen reklamieren, da dieses bei uns und nicht bei Ihnen oder dem kooperierenden Verlag liegt, auch hier widerspreche ich formal.
Ein eingehende Prüfung und weitere Schritte, die ich mir vorbehalte, sind erst nach meinem Urlaub möglich.
Bitte bestätigen Sie mir den Eingang dieser mail und teilen mir mit, wie Sie zu verfahren gedenken, blockieren Sie jedoch unsere Daten auf jeden Fall für alle externen Dienste und Dritte, außer wir stimmen der Verwendung ausdrücklich zu.
Mit freundlichen Grüßen,
Christoph Schäfer (z.Zt. im Urlaub)
————————————–
in
Heinrich Heine Antiquariat
Lustenberger & Schäfer oHG
Citadellstr. 9
40213 Düsseldorf
täglich ab 11 Uhr bis 18.30 Uhr,
samstags 11 Uhr bis 16.00 Uhr.
Tel. 0211 – 13 26 12
—————————————-
30.07.2010
“(…) Ich benutze diese Gelegenheit, um aufs Bestimmteste zu erklären, daß ich, seit zwey Jahren, in keinem politischen Journal Deutschlands, außer der Allgemeinen Zeitung, eine Zeile drucken lassen. Letztere, die ihre weltberühmte Autorität so sehr verdient und die man wohl die Allgemeine Zeitung von Europa nennen dürfte, schien mir eben wegen ihres Ansehens und ihres unerhört großen Absatzes, das geeignete Blatt für Berichterstattungen, die nur das Verständniß der Gegenwart beabsichtigen.
Wenn wir es dahin bringen, daß die große Menge die Gegenwart versteht, so lassen die Völker sich nicht mehr von den Lohnschreibern der Aristokratie zu Haß und Krieg verhetzen, das große Völkerbündniß, die heilige Allianz der Nazionen, kommt zu Stande, wir brauchen aus wechselseitigem Mißtrauen keine stehenden Heere von vielen hunderttausend Mördern mehr zu füttern, wir benutzen zum Pflug ihre Schwerter und Rosse, und wir erlangen Friede und Wohlstand und Freyheit.
Dieser Wirksamkeit bleibt mein Leben gewidmet; es ist mein Amt. Der Haß meiner Feinde darf als Bürgschaft gelten, daß ich dieses Amt bisher recht treu und ehrlich verwaltet. Ich werde mich jenes Hasses immer würdig zeigen. Meine Feinde werden mich nie verkennen, wenn auch die Freunde, im Taumel der aufgeregten Leidenschaften, meine besonnene Ruhe für Lauheit halten möchten. (…)"
Französische Zustände. Vorrede <18. 10. 1832> (DHA, Bd. 12/1, S. 65)
29.07.2010
twitter-Quatsch:
“Heine ist was für Leute, die Prosa in Versen wollen.”
… und für wen wäre dann Heines Prosa ?
19.07.2010
“(…) Hier ist Alles still, nur daß viele wahnsinnige Deutsche herkommen und mich stören und langweilen. (…)”
Heinrich Heine an Julius Campe am 14. Dezember 1846 (HSA Bd. 22, S. 234, Brief Nr. 1162).
Wembley II (revisited):
Der Video-Beweis !
Der Ball war nicht drin !
Nur zur Erinnerung, “wir” sind derzeit amtierender
Fußball-Weltmeister !
-————————————————————————————————-
TIP DER WOCHE
Mit Heinrich Heine durch Holland !
Heinrich Heine – Höhepunkte der Niederlande . Nur damit sich niemand beschwert.
07.07.2010
Aus gegebenem Anlaß:
“LXXXI.
Neben mir wohnt Don Henriques,
Den man auch den Schönen nennet;
Nachbarlich sind unsre Zimmer
Nur von dünner Wand getrennet.
Salamankas Damen glühen,
Wenn er durch die Straßen schreitet,
Sporenklirrend, schnurrbartkräuselnd,
Und von Hunden stets begleitet.
Doch in stiller Abendstunde
Sitzt er ganz allein daheime,
In den Händen die Guitarre,
In der Seele süße Träume.
In die Saiten greift er bebend
Und beginnt zu phantasiren,
Ach! wie Katzenjammer quält mich
Sein Geschnarr und Quinquiliren."
aus dem “Buch der Lieder” (DHA, Bd. 1/1, S. 294).
06.07.2010
Schöne Bilder vom Laden und unserem Viertel !
02.07.2010
Revolutionäres Rauchen …
“(…) Ich will dir gern, lieber Leser, bey dieser Gelegenheit ein Geständniß machen, das du eben nicht erwartest. Du meinst vielleicht, der höchste Ehrgeitz meines Lebens hätte immer darin bestanden, ein großer Dichter zu werden, etwa gar auf dem Capitol gekrönt zu werden, wie weiland Messer Francesco Petrarcha … Nein, es waren vielmehr die großen Volksredner, die ich immer beneidete, und ich hätte für mein Leben gern auf öffentlichem Markte, vor einer bunten Versammlung, das große Wort erhoben, welches die Leidenschaften aufwühlt oder besänftigt und immer eine augenblickliche Wirkung hervorbringt. Ja, unter vier Augen will ich es dir gern eingestehen, daß ich in jener unerfahrenen Jugendzeit, wo uns die komödiantenhaften Gelüste anwandeln, mich oft in eine solche Rolle hineindachte. Ich wollte durchaus ein großer Redner werden, und wie Demosthenes deklamirte ich zuweilen am einsamen Meeresstrand, wenn Wind und Wellen brausten und heulten; so übt man seine Lungen und gewöhnt sich dran, mitten im größten Lerm einer Volksversammlung zu sprechen. Nicht selten sprach ich auch auf freyem Felde vor einer großen Anzahl Ochsen und Kühe, und es gelang mir das versammelte Rindviehvolk zu überbrüllen. Schwerer schon ist es vor Schaafen eine Rede zu halten. Bey allem was du ihnen sagst, diesen Schaafsköpfen, wenn du sie ermahnst sich zu befreyen, nicht wie ihre Vorfahren geduldig zur Schlachtbank zu wandern … sie antworten dir, nach jedem Satze mit einem so unerschütterlich gelassenen Mäh! Mäh! daß man die Contenanze verlieren kann. Kurz, ich that alles, um, wenn bey uns einmal eine Revoluzion aufgeführt werden möchte, als deutscher Volksredner auftreten zu können. Aber ach! schon gleich bey der ersten Probe merkte ich, daß ich in einem solchen Stücke meine Lieblingsrolle nimmermehr tragiren kann. Und lebten sie noch, weder Demosthenes, noch Cicero, noch Mirabeau könnten in einer deutschen Revoluzion als Sprecher auftreten: denn bey einer deutschen Revoluzion wird geraucht. Denkt Euch meinen Schreck, als ich in Paris der obenerwähnten Volksversammlung beywohnte, fand ich sämmtliche Vaterlandsretter mit Tabakspfeifen im Maule, und der ganze Saal war so erfüllt von schlechtem Knasterqualm, daß er mir gleich auf die Brust schlug und es mir platterdings unmöglich gewesen wär, ein Wort zu reden …
Ich kann den Tabaksqualm nicht vertragen, und ich merkte, daß in einer deutschen Revoluzion, die Rolle eines Großsprechers in der Weise Börnes et Consorten nicht für mich paßte. Ich merkte überhaupt, daß die deutsche Tribunatskarriere nicht eben mit Rosen, und am allerwenigsten mit reinlichen Rosen bedeckt. So z. B. mußt du allen diesen Zuhörern, »lieben Brüdern, und Gevattern« recht derb die Hand drücken. Es ist vielleicht metaphorisch gemeint, wenn Börne behauptet: im Fall ihm ein König die Hand gedrückt, würde er sie nachher ins Feuer halten, um sie zu reinigen; es ist aber durchaus nicht bildlich, sondern ganz buchstäblich gemeint, daß ich, wenn mir das Volk die Hand gedrückt, sie nachher waschen werde. Man muß in wirklichen Revoluzionszeiten das Volk mit eignen Augen gesehen, mit eigner Nase gerochen haben, man muß mit eignen Ohren anhören, wie dieser souveraine Rattenkönig sich ausspricht, um zu begreifen, was Mirabeau andeuten will mit den Worten: man macht keine Revoluzion mit Lavendelöhl. So lange wir die Revoluzionen in den Büchern lesen, sieht das alles sehr schön aus, und es ist damit wie mit jenen Landschaften, die, kunstreich gestochen auf dem weißen Velinpapier, so rein, so freundlich aussehen,aber nachher, wenn man sie in Natura betrachtet, vielleicht an Grandiosität gewinnen, doch einen sehr schmutzigen und schäbigen Anblick in den Einzelheiten gewähren; die in kupfergestochenen Misthaufen riechen nicht, und der in kupfergestochene Morast ist leicht mit den Augen zu durchwaten. (…)”
Aus: Ludwig Börne. Eine Denkschrift. Drittes Buch. (DHA, Bd. 11, S. 70 f.)
Nachtrag (02.07.2010):
Da auf der website der deutschepost.de nach wie vor unter den links “Presse Buch International” die veralteten Informationen zu finden sind, hat man konsequenterweise auch die downloads nicht verändert, so daß ich heute mit den falschen Formularen am Schalter stand !
01.07.2010
Beschwerde-Brief an die deutschepost.de:
Sehr geehrte Damen und Herren,
es ist eigentlich schon ein Unding, daß ich nicht weiß und auch nicht
herausfinden kann, wer mein Ansprechpartner ist.
So wie mir heute Morgen, dürfte es zahlreichen Buchhändlern, Verlegern
und Antiquaren ergangen sein.
Ich hatte eine Sendung – früher haben wir dazu Büchsersendung gesagt,
heute heißt das – Presse + Buch International in die Schweiz zu
schicken, 3,2 kg + Einschreibegebühr = 19,05 Euro, vorher ausgerechnet
und auf der website der DHL nachgesehen, da sich ja einiges zum 1.Juli
ändern sollte.
Geändert hatte sich lt. website nichts, sie gab die Klarheit, daß für
die Schweiz keine MwSt. fällig würde, also zu einer der wenigen noch
vorhandenen Briefmarkenverkaufsstellen und Paketannahmestellen, anders
kann man diese Etablissements je leider nicht mehr bezeichnen, denn mit
Service hat das, was sich dort – von oben (!!!!) gewollt – abspielt ja
schon länger nichts mehr zu tun.
![]()
Der freundliche Mann am Schalter informierte mich, daß Presse + Buch
International entgegen der Anzeige im Netz seit heute nur noch bis 2 kg,statt bis 5 kg – Gewicht möglich sei, höhere Gewichte müßten zum Kilotarif verschickt werden. Prima, sagte ich, machen wir !
Nur, leider, müsse ich mir dazu das notwendige Formular im Internet
downloaden ! Der Profi staunt, wieso hat man nicht am Schalter für eine
gewisse Übergangszeit diese Formulare parat ? Was macht die Oma ohne PC
und Internet, die lt. Schaltermann ja wohl nicht die “Zielgruppe” sei ?
Warum muß ich, und mit mir zahlreiche andere Kollegen, unsere Sendungen
erst zu Ihnen hin schleppen, um dann zu erfahren, daß man sie wieder
mitnehmen muß, weil man nicht den richtigen Antrag auf Beförderung dabei
hat ?
Wieso wird diese für eine ganze Branche (wie der Name schon sagt, Presse
+ Buch), nicht einschlägig vorab kommuniziert ?
Ich bin Kunde bei DHL, als Einzelunternehmer, Sie kennen meine
eMail-Anschrift und meine Adresse, aber ich bin auch Vorstand der GIAQ,
der Genossenschaft der Internetantiquare, die über Sie die eine oder
andere Paketmarke bezieht, wieso werden noch nicht einmal wir als
Multiplikatoren, mit fast 100 Mitgliedern und 400 Kunden informiert ?
Was ist das für ein Management, für ein Verständnis von Service, das
einerseits aufs Netz verweist, aber andererseits nicht in der Lage ist,
dort die Änderungen angemessen anzuzeigen ?
Wenn schon die Oma nicht Ihre “Zielgruppe” ist, was sind denn dann wir
Buchhändler, Verleger und Antiquare ?
Hat sich schon einmal in Ihrem Haus jemand darüber Gedanken gemacht, wer
Presse + Buch (Inter)national benutzt ?
Daß auch wir unsere Versandkosten an Ihre anpassen müssen, da wir sonst
bei Auslandsbestellungen Geld verlieren ?
Wieso gibt es die neue Tarif-Information, das Heft mit den neuen Preisen
und den neuen, eingeschränkten Gewichten erst seit heute, und wieso
zeigen Sie immer noch im Netz Ihre alten Preise und Gewichte an ?
Daß das heute Morgen meine Zeit und mein Schweiß war, und daß ich Morgen
schon wieder dahin muß, wo es noch nicht einmal Parkplätze gibt ?
Denkt bei Ihnen jemand an die Kunden, oder nur an Aktionäre ?
Mit freundlichen Grüßen,
Christoph Schäfer
Anlage: screenshot Ihrer Seite mit den Preisen und Gewichten
Heinrich Heine Antiquariat
Lustenberger & Schäfer oHG
Citadellstr. 9
40213 Düsseldorf
Tel.: 0211 13 26 12
Fax: 0211 32 22 57
eMail: heinrich@heineantiquariat.de
www.heineantiquariat.de
Ident-Nr. (VAT-No.) DE 119246757
Handelsregistereintrag:
Amtsgericht Düsseldorf HR A 10 967
Steuernummer: 103/5826/0760
Stephan Lustenberger und Christoph Schäfer
(Persönlich haftende Gesellschafter)
Sie finden einen kleinen Teil unserer Buecher auch unter
http://www.heineantiquariat.de/seiten/katalog ,
alle unsere Buecher in unserem Laden,
Mo – Fr 11 – 18.30, Sa 11 – 16 Uhr.
Mitglied im Verband Deutscher Antiquare e.V. (ILAB/ LILA,
sowie der Genossenschaft der Internetantiquare eG (GIAQ)
www.giaq.de mit der einzigen deutschsprachigen
genossenschaftlichen Datenbank im Besitz der
Antiquare :
www.antiquariat.de (früher: prolibri.de).
___________________________________________________________________________
19.06.2010
Japan – Paraguay:
“(…) Und heut ist Ball auf dem Kirchhof,
Komm mit, wir tanzen dort. (..)”
Heine: Die Heimkehr. VIII.
18.06.2010
“(…) Er suchte, wie Odysseus, die Ohren seiner Gefährten zu verstopfen, damit sie den Gesang der Sirenen nicht hören, unbekümmert, daß sie alsdann auch taub wurden für die unschuldigen Töne der Nachtigall. Damit das Feld der Gegenwart nur radikal von allem Unkraut gesäubert werde, trug der praktische Mann wenig Bedenken, auch die Blumen mit auszuräuten. Dagegen erhob sich nun feindlichst die Parthey der Blumen und Nachtigallen, und alles was zu dieser Parthey gehört, Schönheit, Grazie, Witz und Scherz, und der arme Nicolai unterlag.
Jetzt haben sich die Umstände in Deutschland geändert, und eng verbunden mit der Revoluzion ist die Parthey der Blumen und Nachtigallen. Uns gehört die Zukunft, und es dämmert schon der Tag des Sieges. Wenn einst dieser schöne Tag unser ganzes Vaterland überstralt, dann wollen wir auch der Todten gedenken, dann wollen wir auch deiner gedenken, alter Nicolai, armer Martyrer der Vernunft! Wir werden dann deine Reliquien nach dem deutschen Pantheon bringen, im feyerlichen Triumpfzug, begleitet von Musikchören, worunter keine einzige Pickelflöte seyn soll. Auf deinen Sarg aber legen wir den eignen Lorbeerkranz, und zwar indem wir uns dabey des Lachens enthalten. (…)”
“Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland” (DHA, Bd. 8/1, S. 70).
15.06.2010
Heines Kommentar zur “Globalisierung”:
»Die Welt ist rund ! Was nützt es am End,
Zu schaukeln auf müßiger Welle ?
Der Weltumsegler kommt zuletzt
Zurück auf dieselbe Stelle.«
nach DHA, Bd. 2, S. 150, zu: “Zeitgedichte”, hier das Faksimile
11.06.2010
“(…) Aus Haß gegen die Nazionalisten könnte ich schier die Communisten lieben. Wenigstens sind sie keine Heuchler die immer die Religion und das Christenthum im Munde führen; die Communisten, es ist wahr besitzen leider keine Religion (einen Fehler muß doch der Mensch haben) sie sind sogar Atheisten (was gewiß eine große Sünde ist) aber in ihren obersten Prinzipien huldigen sie einem Cosmopolitismus, einer allgemeine
“Lutezia. Berichte über Politik, Kunst und Volksleben. Zur Preface” (DHA, Bd. 13/1, S. 295).
09.06.2010
“(…) Ich kämpfte ohne Hoffnung, daß ich siege (…)”
Heine: Enfant perdü
05.06.2010
“(…) Für Menschen, denen die Erde nichts mehr bietet, ward der Himmel erfunden … Heil dieser Erfindung ! Heil einer Religion, die dem leidenden Menschengeschlecht in den bittern Kelch einige süße, einschläfernde Tropfen goß, geistiges Opium, einige Tropfen Liebe, Hoffnung und Glauben ! (…)”
Heine: Ludwig Börne. Eine Denkschrift. Viertes Buch. (DHA, Bd. 11, S. 103)
04.06.2010
“(…) Ich bin stolz darauf, daß ich einst den Muth besessen weder durch Liebkosung und Intrigue, noch durch Drohung, mich fortreißen zu lassen in Unverstand und Irrsal. Wer nicht so weit geht als sein Herz ihn drängt und die Vernunft ihm erlaubt, ist eine Memme, wer weiter geht, als er gehen wollte, ist ein Sclave.”
Heine: “Französische Maler” (DHA, Bd. 12/1, S. 62).
02.06.2010
“Démocratie
“Le drapeau va au paysage immonde, et notre patois étouffe le tambour.
“Aux centres nous alimenterons la plus cynique prostitution. Nous massacrerons les révoltes logiques.
“Aux pays poivrés et détrempés ! – au service des plus monstrueuses exploitations industrielles ou militaires.
“Au revoir ici, n’importe où. Conscrits du bon vouloir, nous aurons la philosophie féroce ; ignorants pour la science, roués pour le confort ; la crevaison pour le monde qui va. C’est la vraie marche. En avant, route !”
A. Rimbaud: Illuminations
“(…) In den Zentren nähren wir die zynischste Prostitution. Wir werden dann die logischen Revolten massakrieren.
Auf die gepfefferten und aufgeweichten Länder ! – Im Dienst der monströsesten industriellen und militärischen Ausbeutungen. (…)”
31.05.2010
“(…) Es ist fatal daß bey mir der ganze Mensch durch das Büdget regirt wird. Auf meine Grundsätze hat Geldmangel oder Ueberfluß nicht den mindesten Einfluß, aber desto mehr auf meine Handlungen. Ja, großer Moser, der H. Heine ist sehr klein. Wahrlich, der kleine Markus ist größer als ich! Es ist dies kein Scherz, sondern mein ernsthaftester, ingrimmigster Ernst. Ich kann Dir das nicht oft genug widerholen damit Du mich nicht mißt nach dem Maaßstabe Deiner eigenen großen Seele. Die meinige ist Gummi alastik, zieht sich oft ins Unendliche, u verschrumpft oft ins winzige. Aber eine Seele habe ich doch, I am positive I have a soul, so gut wie Sterne [¹]. (…)”
Heine an Moses Moser am 30.September 1823 (HSA Bd. 20, S. 111, Brief Nr. 77).
[¹] Vergl. Anmerkung in der HSA zum o.g. Brief: Lawrence Sterne: A sentimental Journey through France and Italy. Vol. II. 1768. Dort: “I am positive I have a soul; nor can all the books, with which materialists have pestered the world, ever convince me to the contrary.”
29.05.2010
“(…) Das Wetter ist wunderschön, und ich gehe viel spaziren. Meine Haushaltung geht ihren ruhigen Stiefel fort. Meine Frau führt sich gut auf. Führte sie sich nicht gut auf, so würde ich ihr jetzt die Freyheit geben, wie alle Könige ihren Völkern; sie würde dann sehen, was bey der Freyheit herauskömmt. – Du hast keinen Begriff davon, welche Misère jetzt hier herrscht. Die ganze Welt wird frey und bankrott. – Leb wohl ! (…)”
Heine an seine Mutter am 30. März 1848.
28.05.2010
Indirektes, älteres Lob, allerdings soeben erst hier gefunden:
“(…) Selbst im Sommer ohne Gefühl; dass man Bücher so emotionslos in Szene setzt. Muss ja nicht Butzenscheiben/Backsteinromantik sein und drinnen ein Kamin vor der Eichenbibliothek aber so hell und grau?! Eine Galerie, ja, eine Buchhandlung? Wie gesagt, kalt. Ach, das Schnabelewopski. BTW, ich kaufe immer noch gern gegenüber der Maxschule, DAS ist ein Buchladen!”
26.05.2010
“(…) Es hat wirklich den Anschein, als ob jetzt mehr geistige Interessen verfochten würden als materielle, und als ob die Welthistorie nicht mehr eine Räubergeschichte, sondern eine Geistergeschichte seyn solle. Der Haupthebel, den ehrgeitzige und habsüchtige Fürsten zu ihren Privatzwecken sonst so wirksam in Bewegung zu setzen wußten, nemlich die Nazionalität mit ihrer Eitelkeit und ihrem Haß, ist jetzt morsch und abgenutzt; täglich verschwinden mehr und mehr die thörigten Nazionalvorurtheile, alle schroffen Besonderheiten gehen unter in der Allgemeinheit der europäischen Civilisazion, es giebt jetzt in Europa keine Nazionen mehr, sondern nur Partheyen, und es ist ein wundersamer Anblick, wie diese, trotz der mannigfaltigsten Farben sich sehr gut erkennen, und trotz der vielen Sprachverschiedenheiten sich sehr gut verstehen. Wie es eine materielle Staatenpolitik giebt, so giebt es jetzt auch eine geistige Partheypolitik; und wie die Staatenpolitik auch den kleinsten Krieg, der zwischen den zwey unbedeutendsten Mächten ausbräche, gleich zu einem allgemeinen europäischen Krieg machen würde, worin sich alle Staaten, mit mehr oder minderem Eifer, auf jeden Fall mit Interesse, mischen müßten: so kann jetzt in der Welt auch nicht der geringste Kampf vorfallen, bey dem, durch jene Partheypolitik, die allgemein geistigen Bedeutungen nicht sogleich erkannt, und die entferntesten und heterogensten Partheyen nicht gezwungen würden, pro oder contra Antheil zu nehmen. Vermöge dieser Partheypolitik, die ich, weil ihre Interessen geistiger und ihre Ultimae Rationes nicht von Metall sind, eine Geisterpolitik nenne, bilden sich jetzt, eben so, wie vermittelst der Staatenpolitik, zwey große Massen, die feindselig einander gegenüber stehen und mit Reden und Blicken kämpfen. Die Losungsworte und Repräsentanten dieser zwey großen Partheymassen wechseln täglich, es fehlt nicht an Verwirrung, oft entstehen die größten Mißverständnisse, diese werden durch die Diplomaten dieser Geisterpolitik, die Schriftsteller, eher vermehrt als vermindert; doch, wenn auch die Köpfe irren, so fühlen die Gemüther nichts desto weniger was sie wollen, und die Zeit drängt mit ihrer großen Aufgabe. Was ist aber diese große Aufgabe unserer Zeit? Es ist die Emanzipazion. Nicht bloß die der Irländer, Griechen, Frankfurter Juden, westindischen Schwarzen und dergleichen gedrückten Volkes, sondern es ist die Emanzipazion der ganzen Welt, absonderlich Europas, das mündig geworden ist, und sich jetzt losreißt von dem eisernen Gängelbande der Bevorrechteten, der Aristokratie. Mögen immerhin einige philosophische Renegaten der Freyheit die feinsten Kettenschlüsse schmieden, um uns zu beweisen, daß Millionen Menschen geschaffen sind als Lastthiere einiger tausend privilegirter Ritter; sie werden uns dennoch nicht davon überzeugen können, so lange sie uns, wie Voltaire sagt, nicht nachweisen, daß jene mit Sätteln auf dem Rücken und diese mit Sporen an den Füßen zur Welt gekommen sind. Jede Zeit hat ihre Aufgabe und durch die Lösung derselben rückt die Menschheit weiter. Die frühere Ungleichheit, durch das Feudalsystem in Europa gestiftet, war vielleicht nothwendig, oder nothwendige Bedingung zu den Fortschritten der Civilisazion; jetzt aber hemmt sie diese, empört sie die civilisirten Herzen. Die Franzosen, das Volk der Gesellschaft, hat diese Ungleichheit, die mit dem Prinzip der Gesellschaft am unleidlichsten kollidirt, nothwendigerweise am tiefsten erbittert, sie haben die Gleichheit zu erzwingen gesucht, indem sie die Häupter derjenigen, die durchaus hervorragen wollten, gelinde abschnitten, und die Revoluzion ward ein Signal für den Befreyungskrieg der Menschheit. Laßt uns die Franzosen preisen! sie sorgten für die zwey größten Bedürfnisse der menschlichen Gesellschaft, für gutes Essen und bürgerliche Gleichheit, in der Kochkunst und in der Freyheit haben sie die größten Fortschritte gemacht, und wenn wir einst alle, als gleiche Gäste, das große Versöhnungsmahl halten, und guter Dinge sind, – denn was gäbe es Besseres als eine Gesellschaft von Pairs an einem gutbesetzten Tische? – dann wollen wir den Franzosen den ersten Toast darbringen. Es wird freylich noch einige Zeit dauern, bis dieses Fest gefeyert werden kann, bis die Emanzipazion durchgesetzt seyn wird; aber sie wird doch endlich kommen, diese Zeit, wir werden, versöhnt und allgleich, um denselben Tisch sitzen; wir sind dann vereinigt, und kämpfen vereinigt gegen andere Weltübel, vielleicht am Ende gar gegen den Tod – dessen ernstes Gleichheitssystem uns wenigstens nicht so sehr beleidigt, wie die lachende Ungleichheitslehre des Aristokratismus.
Lächle nicht, später Leser. Jede Zeit glaubt, ihr Kampf sey vor allen der wichtigste, dieses ist der eigentliche Glaube der Zeit, in diesem lebt sie und stirbt sie, und auch wir wollen leben und sterben in dieser Freyheitsreligion, die vielleicht mehr den Namen Religion verdient, als das hohle ausgestorbene Seelengespenst, das wir noch so zu benennen pflegen – unser heiliger Kampf dünkt uns der wichtigste, wofür jemals auf dieser Erde gekämpft worden, obgleich historische Ahnung uns sagt, daß einst unsre Enkel auf diesen Kampf herabsehen werden, vielleicht mit demselben Gleichgültigkeitsgefühl, womit wir herabsehen auf den Kampf der ersten Menschen, die gegen eben so gierige Ungethüme, Lindwürmer und Raubriesen, zu kämpfen hatten. (…)”
Aus: Reisebilder. Italien. I. Reise von München nach Genua (DHA, Bd. 7/1, S. 68 ff).
Pfingsten 2010
“(…) Man ißt jetzt sein Brod im Angstschweiße seines Angesichts. Dabey ist schönes Frühlingswetter. Die Bäume werden grün und die Menschen werden blau. – Ich hoffe, daß Ihre Stadt von der Cholera verschont bleibe (…)”
HSA Bd. 21, S. 33, Brief Nr. 399 Heine an Johann Friedrich von Cotta am 11. April 1832
19.05.2010
Heine prägt den Begriff der “Welt-Revoluzion”:
“(…) Aber die Verwirrungen, Verwicklungen und momentanen Nöthen, worinn die Regierung in Folge dieses Treibens gerathen kann, geben den dunkeln Gewalten, die im Verborgenen lauern, das Signal zum Losbruch, und wie immer erwartet die Revoluzion eine parlamentarische Iniziative. Das ensetzliche Rad käme dann wieder in Bewegung, und wir sähen diesmal einen Antagonisten auftreten, welcher der schrecklichste seyn dürfte von allen die bisher mit dem Bestehenden in die Schranken getreten. Dieser Antagonist bewahrt noch sein schreckliches Incognito und residirt wie ein dürftiger Prätendent in jenem Erdgeschoß der offiziellen Gesellschaft, in jenen Katakomben, wo unter Tod und Verwesung das neue Leben keimt und knospet. Communismus ist der geheime Name des furchtbaren Antagonisten, der die Proletarierherrschaft in allen ihren Consequenzen dem heutigen Bourgeoisie-Regimente entgegensetzt. Es wird ein furchtbarer Zweykampf seyn. Wie möchte er enden? Das wissen die Götter und Göttinnen, denen die Zukunft bekannt ist. Nur so viel wissen wir: der Communismus, obgleich er jetzt wenig besprochen wird und in verborgenen Dachstuben auf seinem elenden Strohlager hinlungert, so ist er doch der düstre Held, dem eine große wenn auch nur vorübergehende Rolle beschieden in der modernen Tragödie, und der nur des Stichworts harrt, um auf die Bühne zu treten. Wir dürfen daher diesen Akteur nie aus den Augen verlieren und wir wollen zuweilen von den Dgeheimen Proben berichten, worinn er sich zu seinem Debut vorbereitet. Solche Hindeutungen sind vielleicht wichtiger als alle Mittheilungen über Wahlumtriebe, Partheyhader und Cabinetsintriguen.
(…)
Ich fürchte mich immer im ersten Anfang, wenn ich die Dämonen der Umwälzung entzügelt sehe; späterhin bin ich sehr gefaßt und die tollsten Erscheinungen können mich weder beunruhigen noch überraschen, eben weil ich sie vorausgesehen. Was wäre das Ende dieser Bewegung, wozu Paris wieder wie immer das Signal gegeben? Es wäre der Krieg, der gräßlichste Zerstörungskrieg, der leider die beiden edelsten Völker der Civilisazion in die Arena riefe zu beider Verderben; ich meine Deutschland und Frankreich. England, die große Wasserschlange,die immer in ihr ungeheures Wassernest zurückkriechen kann, und Rußland, das in seinen ungeheuren Föhren, Steppen und Eisgefilden ebenfalls die sichersten Verstecke hat, diese beiden können in einem gewöhnlichen politischen Kriege, selbst durch die entschiedensten Niederlagen, nicht ganz zu Grunde gerichtet werden: – aber Deutschland ist in solchen Fällen weit schlimmer bedroht, und gar Frankreich könnte in der kläglichsten Weise seine politische Existenz einbüßen. Doch das wäre nur der erste Akt des großen Spektakelstücks, gleichsam das Vorspiel.
Der zweite Akt ist die europäische, die Welt-Revoluzion,
der große Zweykampf der Besitzlosen mit der Aristokratie des Besitzes,
und da wird weder von Nazionalität noch von Religion die Rede seyn: nur Ein Vaterland wird es geben, nemlich die Erde, und nur Einen Glauben, nemlich das Glück auf Erden. Werden die religiösen Doktrinen der Vergangenheit in allen Landen sich zu einem verzweiflungsvollen Widerstand erheben, und wird etwa dieser Versuch den dritten Akt bilden? Wird gar die alte absolute Tradizion nochmals auf die Bühne treten, aber in einem neuen Costum und mit neuen Stich- und Schlagwörtern? Wie würde dieses Schauspiel schließen? Ich weiß nicht, aber ich denke, daß man der großen Wasserschlange am Ende das Haupt zertreten und dem Bären des Nordens das Fell über die Ohren ziehen wird. Es wird vielleicht alsdann nur Einen Hirten und Eine Heerde geben, ein freyer Hirt mit einem eisernen Hirtenstabe und eine gleichgeschorene, gleichblökende Menschenheerde ! Wilde, düstere Zeiten dröhnen heran, und der Prophet, der eine neue Apokalypse schreiben wollte, müßte ganz neue Bestien erfinden, und zwar so erschreckliche, daß die älteren Johanneischen Thiersymbole dagegen nur sanfte Täubchen und Amoretten wären. Die Götter verhüllen ihr Antlitz aus Mitleid mit den Menschenkindern, ihren langjährigen Pfleglingen, und vielleicht zugleich auch aus Besorgniß über das eigene Schicksal. Die Zukunft riecht nach Juchten, nach Blut, nach Gottlosigkeit und nach sehr vielen Prügeln. Ich rathe unsern Enkeln, mit einer sehr dicken Rückenhaut zur Welt zu kommen. (…)”
Aus: “Lutezia. Berichte über Politik, Kunst und Volksleben.Zweiter Theil.” (DHA, Bd. 14/1, S. 18 ff)
18.05.2010
Der “Hausvesuv” Mathilde:
“(…) Ich bin in der That sehr krank, vielleicht einem Nervenfieber nahe. Sie haben keinen Begriff davon, was für gemeine Ränke ich hier gegen mich schmieden sehe, wie ich keine Minute Ruhe habe. Dazu kommt, daß mein Hausvesuv, der seit drey Jahren ruhig war, jetzt wieder Feuer speit: Mathilde ist in dem aufgeregtesten Zustand, eine Folge der Hamburger Begebenheit. (…)”
Heine an Johann Hermann Detmold am 13. Januar 1845 (HSA Bd. 22, S. 155, Brief Nr. 1067).
17.05.2010
“(…) Wegen meines gebrochenen Italienischsprechens hielt sie mich im Anfang für einen Engländer; aber ich gestand ihr, daß ich nur ein Deutscher sey. Sie machte sogleich viele geographische, ökonomische, hortologische, klimatische Fragen über Deutschland, und wunderte sich, als ich ihr ebenfalls gestand, daß bey uns keine Zitronen wachsen, daß wir die wenigen Zitronen, die wir aus Italien bekommen, sehr pressen müssen, wenn wir Punsch machen, und daß wir dann aus Verzweiflung desto mehr Rum zugießen. Ach liebe Frau! sagte ich ihr, in unserem Lande ist es sehr frostig und feucht, unser Sommer ist nur ein grünangestrichener Winter, sogar die Sonne muß bey uns eine Jacke von Flanell tragen, wenn sie sich nicht erkälten will; bey diesem gelben Flanellsonnenschein können unsere Früchte nimmermehr gedeihen, sie sehen verdrießlich und grün aus, und unter uns gesagt, das einzige reife Obst, das wir haben, sind gebratene Aepfel. Was die Feigen betrifft, so müssen wir sie ebenfalls, wie die Zitronen und Orangen, aus fremden Ländern beziehen, und durch das lange Reisen werden sie dumm und mehlig; nur die schlechteste Sorte können wir frisch aus der ersten Hand bekommen, und diese ist so bitter, daß, wer sie umsonst bekommt, noch obendrein eine Realinjurienklage anstellt. Von den Mandeln haben wir bloß die geschwollenen. Kurz, uns fehlt alles edle Obst, und wir haben nichts als Stachelbeeren, Birnen, Haselnüsse, Zwetschen und dergleichen Pöbel. (…)”
Aus: Reisebilder. Italien. I. Reise von München nach Genua (DHA, Bd. 7/1, S. 44).
11.05.2010
“(…) Mit der edlen Poeterey beschäftige ich mich noch sehr viel. Ich hoffe bald etwas aufs Theater zu bringen; nicht in Berlin. Diesen Winter erst wird wieder ein Band Dichtungen von mir in Druck erscheinen. Von allen Seiten vernehme ich wie viel über mich (als Dichter) raisonirt worden u wird.
Ob man mich lobt oder tadelt, es rührt mich nicht, ich gehe meinen strengen Weg, den ich mahl als den besten erkannt habe. Einige sagen er führt mich in den Dreck, andere sagen er führe mich nach dem Parnaß, wieder andre sagen er führe direckt in die Hölle. Gleichviel, der Weg ist neu, und ich suche Abentheuer. (…)”
Heine an Ernst Christian August Keller am 1. September 1822 (HSA Bd. 20, S. 56, Brief Nr. 34).
Zum 09. Mai 2010:
![]()
König Langohr I.
Bey der Königswahl, wie sich versteht,
Hatten die Esel die Majorität,
Und es wurde ein Esel zum König gewählt.
Doch hört, was jetzt die Chronik erzählt:
Der gekrönte Esel bildete sich
Jetzt ein, daß er einem Löwen glich;
Er hing sich um eine Löwenhaut,
Und brüllte wie ein Löwe so laut.
Er pflegte Umgang nur mit Rossen —
Das hat die alten Esel verdrossen.
Bulldoggen und Wölfe waren sein Heer,
Drob murrten die Esel noch viel mehr.
Doch als er den Ochsen zum Kanzler erhoben,
Vor Wuth die Esel ras’ten und schnoben.
Sie drohten sogar mit Revoluzion!
Der König erfuhr es und stülpte die Kron’
Sich schnell aufs Haupt, und wickelte schnell
Sich in sein muthiges Löwenfell.
Dann ließ er vor seines Thrones Stufen
Die malkontenten Esel rufen,
Und hat die folgende Rede gehalten:
Hochmögende Esel, Ihr jungen und alten!
Ihr glaubt daß ich ein Esel sey
Wie Ihr, Ihr irrt Euch, ich bin ein Leu;
Das sagt mir jeder an meinem Hofe,
Von der Edeldame bis zur Zofe.
Mein Hofpoet hat ein Gedicht
Auf mich gemacht, worin er spricht:
»Wie angeboren dem Kamehle
Die Großmuth des Löwen angeboren -
Es hat dein Herz keine langen Ohren!«
So singt er in seiner schönsten Strophe,
Die jeder bewundert an meinem Hofe.
Hier bin ich geliebt; die stolzesten Pfauen
Wetteifern, mein königlich Haupt zu krauen.
Die Künste beschütz’ ich; man muß gestehn,
Ich bin zugleich August und Mäcen.
Ich habe ein schönes Hoftheater;
Die Heldenrollen spielt ein Kater.
Die Mimin Mimi, die holde Puppe,
Und zwanzig Möpse bilden die Truppe.
Ich hab eine Maler-Akademie
Gestiftet für Affen von Genie.
Als ihren Direktor hab ich in Petto,
Den Raphael des Hamburger Ghetto,
Lehmann vom Dreckwall, zu engagiren;
Er soll mich auch selber porträtiren.
Ich hab’ eine Oper, ich hab’ ein Ballett,
Wo halb entkleidet und ganz kokett
Gar allerliebste Vögel singen
Wo höchst talentvolle Flöhe springen.
Kapellenmeister ist Meyer-Bär,
Der musikalische Millionär;
Jetzt schreibt der große Bären-Meyer
Ein Festspiel zu meiner Vermählungsfeyer.
Ich selber übe die Tonkunst ein wenig,
Wie Friedrich der Große, der Preußenkönig.
Er blies die Flöte, ich schlage die Laute
Und manches schöne Auge schaute
Sehnsüchtig mich an, wenn ich mit Gefühl
Geklimpert auf meinem Saitenspiel.
Mit Freude wird einst die Königinn
Entdecken, wie musikalisch ich bin!
Sie selbst ist eine vollkommene Stute
Von hoher Geburt, vom reinsten Blute.
Sie ist eine nahe Anverwandte
Von Don Quixotes Rozinante;
Ihr Stammbaum bezeugt, daß sie nicht minder
Verwandt mit dem Bayard der Heymonskinder;
Sie zählt auch unter ihren Ahnen
Gar manchen Hengst, der unter den Fahnen
Gottfrieds von Bouillon gewiehert hat,
Als dieser erobert die heilige Stadt.
Vor allem aber durch ihre Schöne
Glänzt sie! Wenn sie schüttelt die Mähne,
Und wenn sie schnaubt mit den rosigen Nüstern,
Jauchzt auf mein Herz, entzückt und lüstern -
Sie ist die Blume und Krone der Mähren,
Und wird mir einen Kronerben bescheeren.
Ihr seht, verknüpft mit dieser Verbindung
Ist meiner Dynastie Begründung.
Mein Name wird nicht untergehn,
Wird ewig in Clios Annalen bestehn.
Die hohe Göttin wird von mir sagen,
Daß ich ein Löwenherz getragen
In meiner Brust, daß ich weise und klug
Regiert, und auch die Laute schlug.
Hier rülpste der König, doch unterbrach er
Nicht lange die Rede und weiter sprach er:
Hochmögende Esel, Ihr jungen und alten!
Ich werd’ Euch meine Gunst erhalten,
So lang’ Ihr derselben würdig seyd.
Zahlt Eure Steuern zur rechten Zeit
Und wandelt stets der Tugend Bahn,
Wie weiland Eure Väter gethan,
Die alten Esel! Sie trugen zur Mühle
Geduldig die Säcke; denn ihre Gefühle,
Sie wurzelten tief in der Religion,
Sie wußten nichts von Revoluzion —
Kein Murren entschlüpfte der dicken Lippe,
Und an der Gewohnheit frommen Krippe
Fraßen sie friedlich ihr tägliches Heu!
Die alte Zeit, sie ist vorbey.
Ihr neueren Esel seyd Esel geblieben,
Doch ohne Bescheidenheit zu üben.
Ihr wedelt kümmerlich mit dem Schwanz,
Doch drunter lauert die Arroganz.
Ob Eurer albernen Miene hält
Für ehrliche Esel Euch die Welt;
Ihr seyd unehrlich und boshaft dabey,
Trotz Eurer demüthigen Eseley.
Steckt man Euch Pfeffer in den Steiß,
Sogleich erhebt Ihr des Eselgeschreys
Entsetzliche Laute! Ihr möchtet zerfleischen
Die ganze Welt, und könnt nur kreischen.
Unsinniger Jähzorn, der alles vergißt!
Ohnmächtige Wuth, die lächerlich ist!
Eu’r dummes Gebreye, es offenbart
Wie viele Tücken jeder Art,
Wie ganz gemeine Schlechtigkeit
Und blöde Niederträchtigkeit
Und Gift und Galle und Arglist sogar
In der Eselshaut verborgen war.
Hier rülpste der König, doch unterbrach er
Nicht lange die Rede und weiter sprach er:
Hochmögende Esel, Ihr jungen und alten!
Ihr seht, ich kenne Euch! Ungehalten,
Ganz allerhöchst ungehalten bin ich,
Daß Ihr so schamlos-widersinnig
Verunglimpft habt mein Regiment.
Auf Eurem Eselsstandpunkt könnt
Ihr nicht die großen Löwen-Ideen
Von meiner Politik verstehen.
Nehmt Euch in Acht! In meinem Reiche
Wächst manche Buche und manche Eiche,
Woraus man die schönsten Galgen zimmert,
Auch gute Stöcke. Ich rath’ Euch, bekümmert
Euch nicht ob meinem Schalten und Walten!
Ich rath’ Euch, ganz das Maul zu halten!
Die Raisoneure, die frechen Sünder,
Die laß ich öffentlich stäupen vom Schinder;
Sie sollen im Zuchthaus Wolle kratzen.
Wird einer gar von Aufruhr schwatzen,
Und Straßen entpflastern zur Barrikade —
Ich laß ihn henken ohne Gnade.
Das hab’ ich Euch, Esel, einschärfen wollen!
Jetzt könnt Ihr Euch nach Hause trollen.
![]()
Als diese Rede der König gehalten,
Da jauchzten die Esel, die jungen und alten;
Sie riefen einstimmig: I-A! I-A!
Es lebe der König! Hurrah! Hurrah!
Zugabe:
Die Wahl-Esel
Die Freyheit hat man satt am End’,
Und die Republik der Thiere
Begehrte, daß ein einz’ger Regent
Sie absolut regiere.
Jedwede Thiergattung versammelte sich,
Wahlzettel wurden geschrieben;
Partheysucht wüthete fürchterlich,
Intriguen wurden getrieben.
Das Comité der Esel ward
Von Alt-Langohren regieret;
Sie hatten die Köpfe mit einer Cokard,
Die schwarz-roth-gold, verzieret.
Es gab eine kleine Pferdeparthey,
Doch wagte sie nicht zu stimmen;
Sie hatte Angst vor dem Geschrey
Der Alt-Langohren, der grimmen.
Als einer jedoch die Candidatur
Des Rosses empfahl, mit Zeter
Ein Alt-Langohr in die Rede ihm fuhr,
Und schrie: Du bist ein Verräther!
Du bist ein Verräther, es fließt in dir
Kein Tropfen vom Eselsblute;
Du bist kein Esel, ich glaube schier,
Dich warf eine welsche Stute.
Du stammst vom Zebra vielleicht, die Haut
Sie ist gestreift zebräisch;
Auch deiner Stimme näselnder Laut
Klingt ziemlich egyptisch-hebräisch.
Und wärst du kein Fremdling, so bist du doch nur
Verstandesesel, ein kalter;
Du kennst nicht die Tiefen der Eselsnatur,
Dir klingt nicht ihr mystischer Psalter.
Ich aber versenkte die Seele ganz
In jenes süße Gedöhsel;
Ich bin ein Esel, in meinem Schwanz
Ist jedes Haar ein Esel.
Ich bin kein Römling, ich bin kein Slav’;
Ein deutscher Esel bin ich,
Gleich meinen Vätern. Sie waren so brav,
So pflanzenwüchsig, so sinnig.
Sie spielten nicht mit Galanterey
Frivole Lasterspiele;
Sie trabten täglich, frisch-fromm-fröhlich-frey,
Mit ihren Säcken zur Mühle.
Die Väter sind nicht todt! Im Grab
Nur ihre Häute liegen,
Die sterblichen Hüllen. Vom Himmel herab
Schaun sie auf uns mit Vergnügen.
Verklärte Esel im Gloria-Licht!
Wir wollen Euch immer gleichen
Und niemals von dem Pfad der Pflicht
Nur einen Fingerbreit weichen.
O welche Wonne, ein Esel zu seyn!
Ein Enkel von solchen Langohren!
Ich möcht’ es von allen Dächern schrein:
Ich bin als ein Esel geboren.
Der große Esel, der mich erzeugt,
Er war von deutschem Stamme;
Mit deutscher Eselsmilch gesäugt
Hat mich die Mutter, die Mamme.
Ich bin ein Esel, und will getreu,
Wie meine Väter, die Alten,
An der alten, lieben Eseley,
Am Eselthume halten.
Und weil ich ein Esel, so rath’ ich Euch,
Den Esel zum König zu wählen;
Wir stiften das große Eselreich,
Wo nur die Esel befehlen.
Wir alle sind Esel! I-A! I-A!
Wir sind keine Pferdeknechte.
Fort mit den Rossen! Es lebe, Hurrah!
Der König vom Eselsgeschlechte!
So sprach der Patriot. Im Saal
Die Esel Beyfall rufen.
Sie waren alle nazional,
Und stampften mit den Hufen.
Sie haben des Redners Haupt geschmückt
Mit einem Eichenkranze.
Er dankte stumm, und hochbeglückt
Wedelt’ er mit dem Schwanze.
Miet me, sprach der “Arbeiterführer” ! CS
08.05.2010
“(…) Die Staatsschuld, d.h. die Veräußerung des Staats – ob despotisch, konstitutionell oder republikanisch – drückt der kapitalistischen Ära ihren Stempel auf. Der einzige Teil des sogenannten Nationalreichtums, der wirklich in den Gesamtbesitz der modernen Völker eingeht, ist – ihre Staatsschuld. (…)”
Na, von wem wohl ? Genau, vom analysestarken Karl Marx ! Zu finden im “Kapital”, im 24. Kapitel über “Die sogenannte ursprüngliche Akkumulation”.
“(…) Ich ärgere mich jedesmal, wenn ich die Börse betrete, das schöne Marmorhaus, erbaut im edelsten griechischen Style, und geweiht dem nichtswürdigsten Geschäfte, dem Staatspapierenschacher. Es ist das schönste Gebäude von Paris; Napoleon hat es bauen lassen. In demselben Style und Maaßstabe ließ er Deinen Tempel des Ruhms bauen. Ach, der Tempel des Ruhms ist nicht fertig geworden; die Bourbonen verwandelten ihn in eine Kirche, und weihten diese der reuigen Magdalene; aber die Börse steht fertig in ihrem vollendetsten Glanze und ihrem Einflusse ist es wohl zuzuschreiben, daß ihre edlere Nebenbuhlerinn, der Tempel des Ruhms, noch immer unvollendet und noch immer, in schmählichster Verhöhnung, der reuigen Magdalene geweiht bleibt. Hier, in dem ungeheuren Raume der hochgewölbten Börsenhalle, hier ist es, wo der Staatspapierenschacher, mit allen seinen grellen Gestalten und Mißtönen, wogend und brausend sich bewegt, wie ein Meer des Eigennutzes, wo aus den wüsten Menschenwellen die großen Banquiers gleich Haifischen hervorschnappen, wo ein Ungethüm das andere verschlingt, und wo oben auf der Gallerie, gleich lauernden Raubvögeln auf einer Meerklippe, sogar speculirende Damen bemerkbar sind. Hier ist es jedoch, wo die Interessen wohnen, die in dieser Zeit über Krieg und Frieden entscheiden.
Daher ist die Börse auch für uns Publizisten so wichtig. Es ist aber nicht leicht, die Natur jener Interessen, nach jedem einwirkenden Ereignisse, genau zu begreifen, und die Folgen danach würdigen zu können. Der Kurs der Staatspapiere und des Diskontos ist freylich ein politischer Thermometer, aber man würde sich irren, wenn man glaubte, dieser Thermometer zeige den Siegesgrad der einen oder der anderen großen Fragen, die jetzt die Menschheit bewegen. Das Steigen oder Fallen der Kurse beweist nicht das Steigen oder Fallen der liberalen oder servilen Parthey, sondern die größere oder geringere Hoffnung, die man hegt für die Pazifikazion Europas, für die Erhaltung des Bestehenden, oder vielmehr für die Sicherung der Verhältnisse, wovon die Auszahlung der Staatsschuldzinsen abhängt.
In dieser beschränkten Auffassung, bey allen möglichen Vorkommenheiten, sind die Börsenspekulanten bewunderungswürdig. Ungestört von allen geistigen Aufregungen haben sie ihren Sinn allein auf alles Faktische gewendet, und fast mit thierischem Gefühle, wie Wetterfrösche, erkennen sie, ob irgend ein Ereigniß, das scheinbar beruhigend aussieht, nicht eine Quelle künftiger Stürme seyn wird, oder ob ein großes Mißgeschick nicht am Ende dazu diene, die Ruhe zu konsolidiren. Bey dem Falle Warschaus frug man nicht: Wie viel Unheil wird für die Menschheit dadurch entstehen? sondern: Wird der Sieg des Kantschus die Unruhestifter, d. h. die Freunde der Freyheit, entmuthigen? Durch die Bejahung dieser Frage stieg der Kurs. Erhielte man heute an der Börse plötzlich die telegraphische Nachricht, daß Hr. Talleyrand an eine Vergeltung nach dem Tode glaube, so würden die französischen Staatspapiere gleich um zehn Procent fallen; denn man könnte fürchten, er werde sich mit Gott zu versöhnen suchen, und dem Ludwig Philipp und dem ganzen Juste-milieu entsagen, und sie sakrifiziren, und die schöne Ruhe, deren wir jetzt genießen, aufs Spiel setzen. Weder Seyn noch Nichtseyn, sondern Ruhe oder Unruhe, ist die große Frage der Börne. Danach richtet sich auch der Diskonto. In unruhiger Zeit ist das Geld ängstlich, zieht sich in die Kisten der Reichen, wie in eine Festung, zurück, hält sich eingezogen; der Diskonto steigt. In ruhiger Zeit wird das Geld wieder sorglos, bietet sich preis, zeigt sich öffentlich, ist sehr herablassend; der Diskonto ist niedrig.
So ein alter Louisd’or hat mehr Verstand als ein Mensch, und weiß am besten, ob es Krieg oder Frieden giebt. Vielleicht durch den guten Umgang mit Geld haben die Leute der Börse ebenfalls eine Art von politischem Instinkte bekommen, und während in der letzten Zeit die tiefsten Denker nur Krieg erwarteten, blieben sie ganz ruhig und glaubten an die Erhaltung des Friedens. Frug man einen derselben nach seinen Gründen, so ließ er sich, wie Sir John, keine Gründe abzwingen, sondern behauptete immer: Das ist meine Idee. (…)”
Heine in: “Französische Zustände” ( DHA, Bd. 12/1, S. 112 ff).
07.05.2010
“(…) Und, O! sie werden jetzt wieder, nach wie vor, alle Früchte des Volksfleißes in ihren eigenen Säckel hineinverwalten, sie werden als regierende Kornjuden die Preise ihres Getreides in die Höhe treiben, John Bull wird vor Hunger mager werden, er wird endlich für einen Bissen Brod sich leibeigen selbst den hohen Herren verkaufen, sie werden ihn vor den Pflug spannen und peitschen, er wird nicht einmal brummen dürfen, denn auf der einen Seite droht ihm der Herzog
von Wellington mit dem Schwerte, und auf der andern Seite schlägt ihn der Erzbischof von Canterbury mit der Bibel auf den Kopf – und es wird Ruhe im Lande seyn.
Die Quelle jener Uebel ist die Schuld, the national debt, oder wie Cobbett sagt, the kings debt. Cobbett bemerkt nemlich mit Recht: während man allen Instituten den Namen des Königs voransetzt, z. B. the kings army, the kings navy, the kings courts, the kings prisons etc., wird doch die Schuld, die eigentlich aus jenen Instituten hervorging, niemals the kings debt genannt, und sie ist das Einzige, wobey man der Nazion die Ehre erzeigt, etwas nach ihr zu benennen.
Der Uebel größtes ist die Schuld. Sie bewirkt zwar, daß der englische Staat sich erhält, und daß sogar dessen ärgste Teufel ihn nicht zu Grunde richten; aber sie bewirkt auch, daß ganz England eine große Tretmühle geworden, wo das Volk Tag und Nacht arbeiten muß, um seine Gläubiger zu füttern, daß England vor lauter Zahlungssorgen alt und grau und aller heiteren Jugendgefühle entwöhnt wird, daß England, wie bey starkverschuldeten Menschen zu geschehen pflegt, zur stumpfsten Resignazion niedergedrückt ist, und sich nicht zu helfen weiß – obgleich 900,000 Flinten und eben so viel Säbel und Bajonette im Tower zu London aufbewahrt liegen.
(…) Wie heißt aber die große Sorge, die Englands Ministern Tag und Nacht im Gehirne wühlt und sie tödtet? Sie heißt: the debt, die Schuld.
Schulden, eben so wie Vaterlandsliebe, Religion, Ehre u.s.w. gehören zwar zu den Vorzügen des Menschen – den die Thiere haben keine Schulden – aber sie sind auch eine ganz vorzügliche Qual der Menschheit, und wie sie den Einzelnen zu Grunde richten, so bringen sie auch ganze Geschlechter ins Verderben, und sie scheinen das alte Fatum zu ersetzen in den Nazionaltragödien unserer Zeit. England kann diesem Fatum nicht entgehen, seine Minister sehen die Schrecknisse herannahen, und sterben mit der Verzweiflung der Ohnmacht. (…)”
Heine in: " Englische Fragmente".
“(…) Mein Brief würde zu lang werden, wenn ich Ihnen ausführlich erzählen wollte wie sehr hier Ihre Tragödien gefallen, wie sie gepriesen worden, kritisirt und getadelt – von Dichterlingen. Letztere sind die natürlichen Feinde der guten Dichter, und dieses Geschmeiß wird nicht ermangeln Ihren schönen Lorbeer anzufressen. Sie haben bis jetzt noch das besondere Glück gehabt daß, in dem obskuren Münster, Ihre Persönlichkeit den meisten verborgen war. Aber wo der wahre Dichter auch sey, er wird gehaßt und angefeindet, die Pfennigsmenschen verzeihen
es ihm nicht daß er etwas mehr seyn will als sie, und das höchste was er erreichen kann ist doch nur ein Martyrthum. (…)”
Heine an Karl Immermann am 24. Dezember 1822 (HSA Bd. 20, S. 59, Brief Nr. 37).
05.05.2010
“(…) Nie haben die Götter, oder vielmehr der liebe Gott (wie ich jetzt zu sagen pflege), einen Menschen ärger heimgesucht. Nur zwey Tröstungen sind mir geblieben und sitzen kosend an meinem Bette: meine französische Hausfrau und die deutsche Muse. Ich knittele sehr viel Verse, und es sind manche darunter, die wie Zauberweisen meine Schmerzen kirren, wenn ich sie für mich hin summe. Ein Poet ist und bleibt doch ein Narr ! (…)”
Heine an Campe am 30. April 1849 (HSA Bd. 22, S. 312, Brief Nr. 1265).
04.05.2010
![]()
“(…) Die griechischen Angelegenheiten sind hier, wie überall, tüchtig durchgesprochen worden, und das Griechenfeuer ist ziemlich erloschen. Die
Jugend zeigte sich am meisten enthousiastisch für Hellas; alte, vernünftigere Leute schüttelten die grauen Köpfe. (…)”
“Briefe aus Berlin. Zweyter Brief.” (DHA, Bd. 6, S. 31)
“(…) Und ich saß noch ruhig auf weißer Dühne,
Am einsamen Strand,
Und ich las das Lied vom Odüsseus,
Das alte, ewig junge Lied,
Aus dessen meerdurchrauschten Blättern
Mir freudig entgegenstieg
Der Athem der Götter,
Und der leuchtende Menschenfrühling,
Und der blühende Himmel von Hellas. (…)”
Aus: “Poseidon” (in “Die Nordsee”).
03.05.2010
Ein großartiger Brief an Heine:
“(…) Seit ich Ihnen zulezt, vor fast 2 Jahren, von Angostura schrieb, wagte ich
nicht mehr, einen Brief an Sie abzusenden, denn ich dachte mir, daß die Reise
Abentheuer eines Menschen der gesund in der Welt umherläuft, einen Kranken
fast unangenehm berühren könnten. Ist es Ihnen aber recht, so besuche ich
Sie nächstens wieder in Paris und erzähle Ihnen dann meine Weltfahrt, was
jedenfalls eine gescheidtere Anwendung des Gesehenen und Gehörten ist, als
wenn ich wie andere Reisende ein dickes Buch darüber schriebe.
Ja, ich werde Sie in die Regionen des sogenannten ewigen Frühlings führen.
Sie reisen mit mir über die Virginischen Inseln und über die Antillen. Wir
halten auf San Domingo und auf Cuba und fahren durch den Golf von Mexico
nach Vera Cruz. Von dort reisen wir auf das Hochland, setzen uns auf den
Popocatepetl und blicken hinab in das Reich des Montezuma. Da blitzen die
Seen und da säuseln im Park von chapultepec die alten Cedern der Azteken.
Wir reisen weiter durch Kaktus Wildnisse und über ausgebrannte Vulkane.
Wir steigen in die Silberbergwerke von Rajas und gehen dann auf die große
Messe von San Juan de Lagos, dem Sammelplatz aller mexikanischen Pferde-
händler, Spieler und Diebe. Während bei einem Stiergefechte die Mexikaner
hinabschauen auf die röchelnden Toros, blickt ein stummer Indianer hinab
auf die Köpfe der Mexikaner und wählt die Scalpe welche er bei der Heimkehr
nach Zacatecas oder Durango davonzutragen denkt. Denn jenseit Guadalajara
verändern sich Sitten und Gewohnheiten – der Kutscher Lieblich aus Halle,
der kühnste Mann in Mexico, fährt uns mit zehn wilden Pferden, eine Treppe,
1500 Fuß tief hinab in die große Quebrada, wo wir gegen alles Erwarten mit
heilen Rippen ankommen. Wir reisen weiter, bis Tepic, wo gerade ein Pfaffe
mit der Monstranz zu einem Sterbenden fährt, begleitet von 6 Musikanten,
welche die Polka der Henriette Sontag spielen –
Das Hochland geht nun zu Ende. Von den Bergen gerathen wir in Sümpfe
und Lagunen; in den Zweigen wiegen sich bunte Papagein und im Kothe
wälzen sich 16 Fuß lange Krokodile. Sandflöhe beißen uns wie ein böses
Gewissen – da blitzt es plötzlich durch die Blätter wilder Bananen: es ist
der Große Ocean! und wir nehmen feierlich von ihm Beschlag für uns selbst
und alle unsre Nachkommen.
Zu Schiffe fahren wir nach San Francisco und reisen den Stanislaus River
hinauf in das Innere von Kalifornien. Wie in Deutschland die Leute bei der
Kartoffel Ärnte, so finden wir hier die Völker der Erde im Schmutze liegen
und Gold suchen und wenn wir Abends in eine Schenke treten, da sehen wir
die zweifelhaften Gesellen, welche dem Strafwerkhaus der Heimath vorbei-
liefen. Diestelhüber betrügt im Kartenspiel. Schinderhannes der jüngere
küßt eine Chinesin. Ueber dem Schenktisch hängen lebensgroße Parodien
titianischer Nuditäten und die ganze Wirthschaft duftet nach der Menagerie
eines Van Aken. Aber die Scene ändert sich, wenn wir aus den Minen Distrikten
in die Ebene des Sacramento gelangen. Herrliche Weizenfelder biegen sich
im leisen Westwind, freundliche Farm-Häuser blicken aus dem Grün der
Erlen und wir freuen uns, daß es auch Leute giebt welche ein Land bebauen,
das an Fruchtbarkeit den schönsten Thälern des Rheins und der Loire gleich
steht.
Da es zu kalt ist, um nach Oregon hinaufzufahren, so reisen wir südlich
mit dem Steamer nach Panamá und fliegen auf der Eisenbahn durch den tropi-
schen Urwald des berühmten Isthmus. Hier herrscht Ran Runnels, der Ver-
einigten Staaten Commercial Agent. Er hat eben einige Kerle einfangen lassen,
die von Carthagena herüberspekulirten und ganze Koffer und Kisten ver-
schwinden machten. Ran Runnels liest ihnen einen Abschnitt aus der Heiligen
Schrift vor, stellt sie an die nächste Palme und fünf Minuten nachher werden
die Erschossenen am Fuße des Baumes begraben.
Wenn wir aus dem Hafen von Colon in See gehen, so begegnet uns vielleicht
ein Schiff mit Indianern aus Yucatan, denn Indianer und Chinesen werden
jezt mit hoher großbritannischer Bewilligung als Ersatz für die emancipirten
Schwarzen nach den westindischen Kolonien gebracht. Der Kontrakt, ob-
gleich er nicht von dem alten Wilberforce unterzeichnet ist, soll übrigens in
Ordnung sein. Ein Chinese muß 8 Jahre arbeiten und erhält dann 500 Piaster;
er darf in dieser Zeit seinen Herrn nicht wechseln, aber – er darf geprügelt
werden. Wahrscheinlich ist es, daß weder Indianer noch Chinesen in West-
indien 8 Jahre älter werden. Wer bekommt dann die 500 Piaster? Wahrschein-
lich weitläuftige Anverwandte in China oder in Yucatan – – die Engländer
werden das mit ihrem Gotte ausmachen; wir fahren nach Neu Granada.
Wir fahren den Magdalenen-Strom hinauf und bei der Vuelta de la madre de
dios nehmen wir Maulesel und reiten den Pic von Tolima entlang und nach
20 Tagen erreichen wir die große Hochebne der östlichen Kordilleren und die
alte Hauptstádt Columbiens: Santa Fé de Bogotá. Dort am Ende der Welt,
wo wir von dem Saume der Hochebne hinabschaun in die waldigen Fluß
Gebiete des Meta, des Guariare und des Orinoco, in Flächen, welche die Popu-
lation von ganz Europa mehr als ein Mal fassen und ernähren können, auch
in diesem Paradiese finden wir die Menschen, wie in den gedrängten Gassen
einer europäischen Stadt, in nie endendem Streite. In den Straßen Bogotás
erheben sich Barrikaden wie in den Straßen von Paris und Lyon, die Sturm-
glocken lärmen von den Kirchen herab, die Kugeln pfeifen und hohnlachend
drängen sich die Sambos, diese Mischlinge von Schwarzen und Indianern,
in die tolle farce, in diesen Kampf der Weißen mit den Weißen.
Haben Sie schon einen Sambo lachen sehen? Haben Sie schon das Grinsen
eines Sambo genau beobachtet? Das ist ein vortreffliches Gemisch von afri-
kanischer Wuth und von indianischer Todesverachtung. Doch wir retten uns
aus diesem Scandal und fahren wieder den Fluß hinab. Im Walde singen die
Tiger und die Brüll Affen die pièce aus der Wolfsschlucht, während der Mond
über die Wipfel der Palmen und der Cedern lustwandelt und unser Nachen
ruhig dahingleitet auf den schwarzen Wellen.
Wir verlassen jezt den Norden der Linie und fahren die Westküste hinab.
Von Guayaquil reiten wir auf die Hochebne von Quito und es versteht sich
von selbst, daß wir den Chimborazo besteigen und uns dort mit Schneebällen
werfen und Schneewasser und Cognac trinken auf das Wohlsein aller andern
schönen Berge, auf die Gesundheit des Libanon, des Popocatepetl und des
Blocksberg. Zu unserm speziellen Vergnügen überrascht uns der Cotopaxi
durch eine außerordentliche Vorstellung: Pech, Schwefel und Steine speiend
und es thut uns ungemein leid, daß wir keine Naturforscher sind, um dieses
Ereigniß zu Protokol zu nehmen und in der Augsburger Allgemeinen ge-
bührend zu kritisiren.
Im Uebrigen gefällt uns die Westküste durchaus nicht; hätte Lavater die
Phisiognomie dieser Küste studirt, so würde er gesagt haben, daß sie sehr
trocken aussähe; und er hätte recht gehabt.
Nur in Lima freuen wir uns wieder unsres Lebens, obgleich die Frauen-
zimmer so zierlich und klein sind, daß wir sie oft Nachts im Bette verlieren
und dem redlichen Finder erst ein Erkleckliches versprechen müssen, ehe wir
wieder zu unserm bessern Selbst kommen. Wie immer sorgen die Peruaner
für die gehörige Abwechslung in den öffentlichen Amusements, so daß wir,
wie ich neulich, am Tage der Ankunft ein bedeutendes Erdbeben, am zweiten
Tage eine Revolution und am dritten Tage einen Brand über unsern Köpfen
im Hotel haben können.
Ich glaubte in der That damals, ich sei in Paris. Aber das beste von ganz
Peru sind die Chincha Inseln. Diese müssen wir besuchen; sie liegen ganz in
der Nähe. Seit Jahrtausenden hat sich hier Guano angesammelt, jener Dünger
der Vögel, der jetzt in ganzen Schiffsladungen nach Europa und den States
versandt wird und eigentlich die Haupt Einnahme Perus bildet. Hat es je für
Philosophen einen würdigern Gegenstand des Nachdenkens gegeben als diesen
Vogeldreck! Das alte Reich der Inkas mit allen seinen Schätzen ist unter der
Herrschaft der spanischen Raçe so arm geworden, daß das heutige Peru aus
allen Fugen gehen würde, wenn diese letzte Stütze nicht da wäre: der Vogeldreck!
Von Peru reisen wir nach Chile und durchstreifen die Trauben- und Pfir-
sich Gärten von Santiago. Abermals satteln wir dann unsre Maulthiere und
reiten über die Kordilleren nach der wunderbarsten aller Städte, nach dem ver-
schollenen Mendoza. Hier sind wir im Himmel. Wir säen nicht und wir erndten
nicht und unser himmlischer Vater ernährt uns doch. Von den Gebirgen rauscht
das krystallene Wasser der Gletscher, in den weiten Grasflächen weiden zahl-
lose Pferde und Rinder, die Gärten blühen und bringen Früchte und die Men-
schen essen, trinken und sind glücklich. Als ich neulich in Mendoza war,
beschäftigte man sich mit der Provincial-Gesetzgebung. Bisher hatten, wie ich
glaube, eigentlich keine Gesetze existirt. Die Aushebung der Steuern war nun
die Hauptfrage und nachdem man sich vielfach über die Ressourçen dieses
Theiles der argentinischen Konfederation berathen hatte, beschloß man eine
Besteuerung der – Hunde.
Von Mendoza aus durchreitet man die Pampas und wen die Indianer unter-
wegs nicht tod schlagen, der kann in 14 Tagen Buenos Ayres erreichen.
Ich selbst habe bis zu diesem Punkte meine Reise glücklich fortgesetzt und
wenn mir die Götter eine baldige Heimkehr vergönnen, so werde ich Ihnen
auch Brasilien schildern und ein vollständiges Bild des amerikanischen Kon-
tinentes entwerfen können.
Wie bunt und toll ist dieses amerikanische Leben! Wenn man auf der Höhe
der Kordilleren steht und die Gewässer sieht die von den Gletschern hinab-
stürzen, um westlich dem Stillen Meere zuzufließen und östlich nach langer
Reise in den Atlantic zu fallen – ja, wenn man sieht, wie einfach und groß-
artig in der Werkstätte der Natur für diese unabsehbaren, sonnenbestrahlten
Flächen gesorgt wird; da begreift man nicht, wie das alte Europa seine tausend
Verkehrtheiten auch in diesem neuen Welttheil fortsetzen mag und warum
die Dinge sich hier nicht friedlicher und schöner entwickeln als daheim.
Aber es scheint, daß erst ganze Raçen untergehen und neue entstehen müs-
sen, ehe das Leben der Völker sich regelt. Während in der nördlichen Hälfte
Amerikas das weiße angelsächsische Blut das entschiedene Uebergewicht hat,
bildet sich namentlich seit der Emancipation der Sclaven in dem südlichen
Amerika eine seltsame Bevölkerung aus den Trümmern aristokratischer
Spanier, jovialer Neger und melancholischer Indianer.
In Westindien berühren sich diese Gegensätze, und ich glaube daß die Havana
das Feld sein wird, auf welchem die großen Konflikte der neuen Welt zunächst
ausgefochten werden. (…)”
Georg Weerth an Heinrich Heine am 1. April 1855 (HSA Bd. 27, S. 292, Brief Nr. 1216).
26.04.2010
“SA, SS, Militär, HJ undsoweiter: die Menschen sind nie lästiger, als wenn sie
Soldaten spielen. (Kommt bei ihnen wohl periodisch in jedem Jahrzwanzicht,
ungefähr wie Malaria, neuerdings noch schneller). Am Ende sind doch immer die
Schlimmsten Meister, das heißt: Vorgesetzte, Chefs, Direktoren, Präsidenten,
Generale, Minister, Kanzler.
Ein anständiger Mensch schämt sich, Vorgesetzter zu sein !”
Arno Schmidt: Aus dem Leben eines Fauns, 1953, BA I/1, 304
24.04.2010
“(…) Den 31 August heurathete ich Mathilde Creszentia Mirat, eine hübsche junge Person mit der ich mich schon länger als sechs Jahr tagtäglich zanke. (…)”
Heine an seine Schwester am 13. September 1841 (HSA Bd. 21, S. 423, Brief Nr. 882).
20.04.2010
Sic tacuisses …
13.04.2010
Wieder alle an Deck, die Schulferien sind vorbei.
20.03.2010
“(…) Ich habe dieser Tage mit großem Vergnügen dero geneigte Zuschrift erhalten, worin Sie mir Anzeige machten, daß ich über das Provenü des Rückkäufers um 100 Akzien, womit Sie mich bey Ihrer Bank betheiligt, verfügen könne, und daß Sie bereit wären mir diesen Betrag in einer Tratte auf Ihr hiesiges Haus zu remittieren. Indem ich Sie, Herr Baron, bitte in letzterer Weise zu verfahren, sage ich Ihnen meinen wahrhaftesten Dank für dieses Geschenk, ich sage Geschenk, denn ich hege nicht jenen kleinen Bettelstolz der nicht gern die Sache bey ihrem rechten Namen nennt, obgleich ich dennoch eingestehe, daß Sie durch die merkantilische Fikzion womit Sie Ihr Geschenk bekleiden mich doppelt verpflichtet und erfreut haben; ich sehe darin ein Zeichen der Achtung für einen Poeten und zugleich ein Zeichen Ihrer Pietät für den Geist überhaupt, den selbst der Hochgestellte nie verletzt ohne dadurch zu beurkunden, daß er nicht zur Parthey der Geister gehört. Wie wenig verstehen zumal die Neo-Millionäre die Kunst des Gebens! Jedes Mal wenn sie
uns ein Stück Geld zuwerfen, werfen sie uns zugleich ein Loch in den Kopf; denn sie wissen die feineren Köpfe, die leicht wundbar, nicht zu unterscheiden von dem dicken Hirnschädel des Pöbels, der alles verträgt. Ja die Kunst des schönen Gebens wird in unserer Zeit immer seltener, in demselben Maße wie die Kunst des plumpen Nehmens, des rohen Zugreifens täglich allgemeiner
gedeihet, daher nochmals meine Danksagung, Herr Baron, für Gabe und Form des Gebens, so wie überhaupt für den Antheil an meinem traurigen Leibeszustand der sich in Ihrem Briefe so liebreich und gefühlvoll ausspricht. (…)”
Heinrich Heine an Anselm von Rothschild am 30. Dezember 1855 (HSA Bd. 23, S. 474, Brief Nr. 1729).
18.03.2010
“(…) Gottlob, daß ich bei all meinem Leid sehr heitern Gemüthes bin, und die lustigsten Gedanken springen mir durchs Hirn. Meine Phantasie spielt mir in schlaflosenNächten die schönsten Comödien und Possen vor, und zu meinem Glück ist auch meine Frau sehr heiterer Stimmung. (…)”
Heinrich Heine an Julius Campe am 12. Oktober 1854.
17.03.2010
“(…) Die verbündeten Mittelmäßigkeiten mögen immerhin die Gevatterschaft schonen; ich gehöre zu keiner solchen Companeia, die einander trägt und belorbeert, und Schuld daran ist, daß die tüchtigsten Kerle in Deutschland nicht aufkommen und beachtet werden können. Es mag Sie daher nicht befremden, wenn ich mit manchen Leuten nichts zu schaffen haben will, die momentan meinem Buche nützlich seyn könnten, aber später mit widerwärtigen Ansprüchen mich belästigen dürften; und es mag Sie noch weniger befremden, wenn von solcher Seite aus an meinem Buche dieselben Treulosigkeiten ausgeübt werden, die wir schon früher erfahren. Es gilt, treu und ehrlich gegen sich selber seyn, und man kommt dann schon zum Ziele, wenn auch etwas später. (…)”
Heine am 3. August 1854 in einem Brief an Campe. (HSA Bd. 23, S. 358, Brief Nr. 1569)
15.03.2010
“(…) Ich habe heute schon einen Centner Opium verschluckt und bin sehr schläfrig. (…)”
Heine am 3. August 1854 in einem Brief an Campe.
06.03.2010
Eine der ersten überlieferten Zeilen aus einem Brief an den Freund Christian Sethe klingt recht modern:
“(…) Wie geht’s Dir Alter? (…)”
HSA Bd. 20, S. 17, Brief Nr. 2 Heinrich Heine an Christian Sethe am 6. Juli 1816.
Eine der letzten Zeilen Heines an Alexander von Humboldt im Februar 1856:
“Dem großen Alexandros sendet seinen letzten Gruß der sterbende H. Heine.”
Humboldt vermerkte auf der Rückseite: »Das letzte, was ich von Heine erhalten. Februar
1856« und schenkte die Zeilen Varnhagen.
(Zitiert nach der HSA Bd. 23, S. 482, Brief Nr. 1747 und die zugehörige Erläuterung.)
05.03.2010
“(…) Ich lebe sehr still. Das Corpus Juris ist mein Kopfkissen. Dennoch treibe ich noch manches andre z. B. Chronikenlesen und Biertrinken. Die Bibliothek u der Rathskeller ruiniren mich. Auch die Liebe quält mich. Es ist nicht mehr die frühere, die einseitige Liebe zu einer Einzigen. Ich bin nicht mehr Monotheist in der Liebe, sondern wie ich mich zum Doppelbier hinneige, so neige ich mich auch zu einer Doppelliebe. Ich liebe die Medizäische Venus, die hier auf der Bibliothek steht, u die schöne Köchinn des Hofrath Bauer. Ach! und bei beyden liebe ich unglücklich! Die eine ist von Gyps und die andre ist venerisch. Oder ist letzteres etwa Verläumdung? Je le trouverai. Ich habe mir gestern Abend bey der neuen Putzhändlerinn ½ dutzend Gondons [¹] anmessen lassen, u zwar von veilchenblauer Seide [²], – Zu allem Glück, werde ich in diesem Augenblicke gestört. (…)”
[¹] “Gondons – Eigentl.: Condoms, die nach einem englischen Arzt des 18. Jahrhunderts benannten Präservativs.”
[²] “von veilchenblauer Seide – Anspielung auf das bekannte »Lied der Brautjungfern« aus Carl Maria v.Webers Oper»Der Freischütz« (1820, Uraufführung 1821 in Berlin):»Wir winden dir den Jungfernkranz / mit veilchenblauer Seide; / wir führen dich zu Spiel und Tanz, / zu Lust und Hochzeitsfreude.« Vgl. Briefe aus Berlin I (DHA VI, 21ff.) und die Erläuterungen ebd., 418f.”
Heinrich Heine an Moses Moser am 24. Februar 1824 (HSA Bd. 20, S. 144, Brief Nr. 96 ) und die Anmerkungen dazu.
04.03.2010
“(…) Schlechtes Leben hier. Regen, Schnee u zu viel Essen. Und ich sehr verdrießlich. (…)”
Heinrich Heine an Rudolf Christiani am 6. Dezember 1825
Nachtrag vom 15.03.2010 zum Offenen Brief vom 03.d.M.
Herr Holzapfel, der “h” aus w+h rief heute an und sicherte zu, daß unsere Daten bald nicht mehr im Hai auftauchen würden. Ente gut, alles gut.
03.03.2010
DATENHOHEIT UND INFORMATIONELLE SELBSTBESTIMMUNG
OFFENER BRIEF AN DIE w + h GmbH
Sehr geehrte Herren Holzapfel und Wiesler,
hiermit möchte ich Ihnen mitteilen, daß wir mit der Nutzung unserer
Daten durch w+h, sprich deren Anzeige auf buchhai.de nicht einverstanden
sind.
Bitte bestätigen Sie uns, daß Sie die Buchdaten des Heinrich Heine
Antiquarats zukünftig nicht mehr nutzen, sie weder auf Ihren Seiten
anzeigen werden, noch sie abspeichern oder an Dritte weiterverteilen.
Spätestens nach dem 10.03.2010 möchte ich dann keines unserer Bücher
mehr bei Ihnen finden, eher wäre mir lieber.
Mit freundlichen Grüßen,
Christoph Schäfer
________________________________________________________________________
Heinrich Heine Antiquariat
Lustenberger & Schäfer oHG
Citadellstr. 9
40213 Düsseldorf
Tel.: 0211 13 26 12
Fax: 0211 32 22 57
eMail: heinrich@heineantiquariat.de
www.heineantiquariat.de
Ident-Nr. (VAT-No.) DE 119246757
Handelsregistereintrag:
Amtsgericht Düsseldorf HR A 10 967
Steuernummer: 103/5826/0760
Stephan Lustenberger und Christoph Schäfer
(Persönlich haftende Gesellschafter)
Sie finden einen kleinen Teil unserer Buecher auch unter
http://www.heineantiquariat.de/seiten/katalog ,
alle unsere Buecher in unserem Laden,
Mo – Fr 11 – 18.30, Sa 11 – 16 Uhr.
Mitglied im Verband Deutscher Antiquare e.V. (ILAB/ LILA,
sowie der Genossenschaft der Internetantiquare eG (GIAQ)
www.giaq.de mit der einzigen deutschsprachigen
genossenschaftlichen Datenbank im Besitz der
Antiquare :
www.antiquariat.de (früher: … prolibri !).
___________________________________________________________________________
Zur Vorgeschichte
Gleich nachdem der “buchhai” online gegangen war, haben wir das ZVAB gebeten unsere Daten nicht weiter an die Firma w+h zu übertragen. Nach einiger Zeit bekamen wir die Antwort, daß man unser Anliegen verstünde, daß es aber technisch nicht machbar sei, unsere Daten aus dem Gesamtbestand herauszufiltern, der an den buchhai gesendet würde.
Daraufhin haben wir mehrfach per eMail w+h und die Herren Wiesler und Holzapfel persönlich gebeten, die Nutzung unserer Daten zu unterlassen, keine Reaktion.
Nach einer direkten mail an den “buchhai” meldete sich Herr Gläßer von w+h per mail mit der Nachricht, daß unsere Bücher nicht auf dem “buchhai” gespeichert würden.
Wir hatten allerdings mitgeteilt, daß wir weder eine Speicherung, noch eine Anzeige, noch eine Weiterleitung an Dritte unserer Daten wünschen würden.
Herr Gläßer mailte noch einmal, daß “Eine Filterung auf gewisse Verkäufer ist dabei technisch leider nicht möglich, da dies in den Spezifikationen der Schnittstellen nicht vorgesehen ist.”
Hier schließt sich der Kreis, das ZVAB überträgt aus technischen Gründen alle Daten an den “buchhai”, auch die von den Kunden (=Antiquaren), die dies nicht wollen und w+h zeigt sie dann aus technischen Gründen auf dem “buchhai” auch von denen an, die sie nicht angezeigt haben wollen.
Da wir von den beiden Geschäftsführern der w+h GmbH keiner Antwort gewürdigt wurden, beschlossen wir, unseren Willen per Einschreiben/ Rückschein zu bekräftigen: unsere Bücher sollen nur dort angezeigt werden, wo wir das wollen.
Wir stehen in keiner Geschäftsbeziehung zu w+h, waren auch nie dort Kunde und möchten es auch nicht zwangsweise werden.
Vor allem möchten wir nicht, daß diese Firma ihre Buchplattform mit unserem content anreichert.
Das Einschreiben/ Rückschein kam heute mit dem Vermerk “Annahme verweigert” zurück.
Mal schauen, wie es weitergeht.
Christoph Schäfer und Stephan Lustenberger
01.03.2010
“(…) Wir verstehen uns so gut, wir allein sind vernünftig und die ganze Welt ist meschugge. (…) Sey nachgiebig gegen Deinen Mann, er ist wahrhaftig ein seelenguter Mensch. Wir beide unterscheiden uns darinn daß bey ihm, in seinem Kopfe, die Schrauben zu fest geschraubt sind, u daß sie bey mir zu lose geschraubt sind. (…)”
Heine an seine Schwester Charlotte am 12.10.1823
In der Nacht von Samstag auf Sonntag haben wir übrigens www.prolibri.de ab- und www.antiquariat.de angeschaltet.
27.02.2009
Heines Wort zum Sonntag:
“(…) Andere wollen ein evangelisches Christenthümchen unter jüdischer Firma, und machen sich ein Talles [¹] aus der Wolle des Lamm Gottes, machen sich ein Wams aus den Federn der heiligen-Geiststaube und Unterhosen aus christlicher Liebe, und sie falliren und die Nachkommenschaft schreibt sich: Gott, Christus & Co. Zu allem Glücke wird sich dieses Haus nicht lange halten, seine Tratten auf die Philosophie kommen mit Protest zurück, und es macht Bankrott in Europa, wenn sich auch seine von Missionarien in Afrika u Asien gestifteten Comissionshäuser einige Jahrhunderte länger halten. Dieser endliche Sturz des Chr………. wird mir täglich einleuchtender. Lange genug hat sich diese faule Idee gehalten. Ich nenne das Chr……… eine Idee; aber welche ? Es giebt schmutzige Ideen familien, die in den Ritzen dieser alten Welt, der verlassenen Bettstelle des göttlichen Geistes, sich eingenistet, wie sich Wanzenfamilien einnisten in der Bettstelle eines polnischen Juden. Zertretet man eine dieser Ideen-Wanzen, so läßt sie einen Gestank zurück der Jahrtausende lang riechbar ist. Eine solche ist das Chr…… das schon vor 1800 Jahren zertreten worden, und das uns armen Juden seit der Zeit noch immer die Luft verpestet. (…)”
[¹] Talles ist Jiddisch, abgeleitet vom hebräischen “Tallit”, einem Gebetsmantel.
Heinrich Heine an Immanuel Wohlwill am 7. April 1823 (HSA Bd. 20, S. 71, Brief Nr. 47).
26.02.2010
" (…) Der politische Theil Ihres Briefes hat mich sehr erfreut; es ist mir lieb daß der künftige Mann meiner Schwester kein Revoluzionär ist. Auch finde ich es sehr natürlich daß ein Mann, der à son aise und glücklicher Bräutigam ist, nicht den Umsturz der bestehenden Formen wünscht und für seine und Europas Ruhe besorgt ist. Bey mir sind andere Verhältnisse obwaltend, und außerdem fühle ich mich ein bischen seltsam gestimmt wenn ich zufällig in der Zeitung lese daß auf den Straßen Londons einige Menschen erfroren und auf den Straßen Neapels einige Menschen verhungert sind. Obschon ich aber in England ein Radikaler und in Italien ein Carbonari bin, so gehöre ich doch nicht zu den Demagogen in Deutschland; aus dem ganz zufälligen und gringfügigen Grunde, daß bey einem Siege dieser letztern einige tausend jüdische Hälse, und just die besten, abgeschnitten werden. (…)
Heine an seinen künftigen Schwager Moritz Embden am 2. Februar 1823
25.02.2010
betr. Axel Otl Overkill:
“(…) Hier hat ein Geist die Hand in der Tasche des anderen und das giebt ihnen einen gewissen Zusamm[en]hang – Bey diesem Talent des Gedankendiebstals, wo einer dem andern den Gedanken stielt ehe er noch ganz gedacht, wird der Geist Gemeingut – In der Republik des lettres ist Gedankengütergemeinschaft”
Zur Koch-oder-Kellner-Diskussion:
“G. ewig auf der Lauer um die Tagesschwächen des Publikums zu erspähen, sie auszubeuten in seinem PrivatIntresse. jenen Schwächen huldig[en]d und schmeichelnd, darf er immerhin Talent, Kenntnisse und Charakter entbehren, er weiß es. Er giebt dem Publikum keine eigne Impulsionen, sondern er empfängt sie von demselben er zieht die Livree der Tagesidee an, er ist ihr Bedienter, ihr Kanzeley Diener, er katzenbuckelt und verlangt sein Trinkgeld
Weiß [au]ch keine Politik, V[er]gl[eich] mit Hausfrau und Magd – "
“(…) der ist ganz Hund, und wenn er liberal knurrt, täuscht er niemand und jeder weiß, er ist ein unterthäniger Pudel, der niemand beißt (…)”
aus: “Ludwig Börne. Eine Denkschrift.” (DHA, Bd. 11, S. 62).
24.02.2010
“(…) Die Gesellschaft der Gewalthaber glaubt wirklich an die ewige Dauer ihrer Macht, wenn auch die Annalen der Welthistorie und das feurige Mene-Tekel der Tagesblätter, und sogar die laute Volksstimme auf der Straße ihre Warnungen aussprechen. Auch die Opposizionskotterien lügen eigentlich nicht mit Absicht; sie glauben ganz bestimmt zu siegen, wie überhaupt die Menschen immer das glauben, was sie wünschen; sie berauschen sich im Champagner ihrer Hoffnungen; jedes Mißgeschick deuten sie als ein nothwendiges Ereigniß, das sie dem Ziele desto näher bringe; am Vorabende ihres Untergangs stralt ihre Zuversicht am brillantesten, und der Gerichtsbote, der ihnen ihre Niederlage gesetzlich ankündigt, findet sie gewöhnlich im Streite über die Vertheilung der Bärenhaut. Daher die einseitigen Irrthümer, denen man nicht entgehen kann, wenn man der einen oder der andern Parthey nahe steht; jede täuscht uns, ohne es zu wollen, und wir vertrauen am liebsten unsern gleichgesinnten Freunden. Sind wir selber vielleicht so indifferenter Natur, daß wir, ohne sonderliche Vorneigung, mit allen Partheyen beständig verkehren, so verwirrt uns die süffisante Sicherheit, die wir bey jeder Parthey erblicken, und unser Urtheil wird aufs unerquicklichste neutralisirt. Indifferentisten solcher Art, die selbst ohne eigene Meinung sind, ohne Theilnahme an den Interessen der Zeit, und die nur erlauschen wollen, was eigentlich vorgehe, und daher das Geschwätze aller Salons erhorchen, und die Chronique-scandaleuse jeder Parthey bey der andern aufgabeln, solchen Indifferentisten begegnets wohl, daß sie überall nur Personen und keine Dinge, oder vielmehr in den Dingen nur die Personen sehen, daß sie den Untergang der erstern prophezeyen, weil sie die Schwäche der letztern erkannt haben, und daß sie dadurch ihre respektiven Kommittenten zu den bedenklichsten Irrnissen und Fehlgriffen verleiten. (…)”
Französische Zustände. Artikel VI (19. 4. 1832).
23.02.2010
So, wie es mal einen Künstler gab, der sich TAFKAP nennen mußte, eigentlich hieß er PRINCE, wird aus prolibri.de in Kürze antiquariat.de.
Auch unter dem neuen Namen bleibt prolibri eine genossenschaftlich organisierte Plattform für Bücher und mehr, die auch als antiquariat.de den Antiquaren gehört, die Genossenschaftsanteile halten und somit darauf angelegt ist, auf Dauer unabhängig zu bleiben und auch Kolleginnen und Kollegen offen zu stehen, die keine Mitglieder der Genossenschaft geworden sind, sofern diese bereit sind unsere Qualitätsvorgaben zu erfüllen.
" (…) Es steht Dir alsdann auch frey, mich, den gelehrtesten der jetzt lebenden Menschen, als unwissend, dumm u kenntnißlos allgemein zu verschreyen, nur bitte ich immer dabey zu sagen: daß wir keine Freunde mehr sind; damit die Leute wissen, was sie von Deinem Urtheil zu halten haben. Ich glaube gewiß und ich gebe Dir mein Wort drauf, ich bin davon überzeugt: daß keiner in Deutschland so viel weiß als Ich, nur daß ich nicht prale mit meinem Wissen, und – Lieber Christian, glaube nicht, daß ich Dir böse sey; wenn ich Dir sage, daß ich Dein Freund nicht mehr seyn kann, so geschieht dieses, weil ich immer ganz ehrlich und offen gegen Dich handelte, und ich Dich auch jetzt nicht hintergehn möchte. Ich lebe jetzt in einer ganz besondern Stimmung, und die mag wohl an allem den meisten Antheil haben. Alles was deutsch ist, ist mir zuwider; und Du bist leider ein Deutscher. Alles Deutsche wirkt auf mich wie ein Brechpulver. Die deutsche Sprache zerreißt meine Ohre. Die eignen Gedichte ekeln mich zuweilen an, wenn ich sehe, daß sie auf deutsch geschrieben sind. Sogar das Schreiben dieses Billets wird mir sauer, weil die deutschen Schriftzüge schmerzhaft auf meine Nerven wirken. Je n’aurais jamais cru que ces bêtes qu’on nomme allemands, soient une race si ennuyante et malicieuse en même temps. Aussitôt que ma santé sera rétablie je quitterai Allemagne, je passerai en Arabie, j’y menerai une vie pastorale, je serai homme dans toute l’étendue du têrme, je vivrai parmis des chameaux qui ne sont pas étudiants, je ferrai des vers arrabes, beaux comme le Moalaccat, enfin je serai assis sur le rocher sacré, où Mödschnun a soupiré après Leila. O Christian, wüßtest Du, wie meine Seele nach Frieden lechzt, und wie sie doch täglich mehr u mehr zerrissen wird! Ich kann fast keine Nacht mehr schlafen. Im Traum seh ich meine sogenannten Freunde, wie sie sich Geschichtchen u Notizchen in die Ohren zischeln, die mir wie Bleytropfen ins Hirn rinnen. Des Tags verfolgt mich ein ewiges Mißtrauen, überall hör ich meinen Namen u hinterdrein ein höhnisches Gelächter. (…)"
Heinrich Heine an Christian Sethe am 14. April 1822 (HSA Bd. 20, S. 49, Brief Nr. 28).
22.02.2010
“Well never mind, we are ugly but we have the music.”
L. Cohen
(Zum Thema Datenho(hl)heit …)
20.02.2010
Mir würde übrigens ein Renault Alpine als Dienstwagen völlig reichen.
18.02.2010
Dank der Freundlichkeit von Horst Jansen , dem Viersener Einblatt-Verleger haben wir endlich auch die uns noch fehlende domain heinrich-heine-antiquariat.de.
17.02.2010
Bald wird aus prolibri.de, der genossenschaftlichen Antiquariatsplattform, antiquariat.de .
An den Besitzverhältnissen und am Qualitätsanspruch ändert sich nichts.
11. – 16.02.2010
aus: “Französische Zustände. Artikel III.” vom 10. 2. 1832.
“(…) Paris ist nicht bloß die Hauptstadt von Frankreich, sondern der ganzen civilisirten Welt, und ist ein Sammelplatz ihrer geistigen Notabilitäten. Versammelt ist hier Alles, was groß ist durch Liebe oder Haß, durch Fühlen oder Denken, durch Wissen oder Können, durch Glück oder Unglück, durch Zukunft oder Vergangenheit.
Betrachtet man den Verein von berühmten oder ausgezeichneten Männern, die hier zusammentreffen, so hält man Paris für ein Pantheon der Lebenden. Eine neue Kunst, eine neue Religion, ein neues Leben wird hier geschaffen, und lustig tummeln sich hier die Schöpfer einer neuen Welt. Die Gewalthaber gebärden sich kleinlich, aber das Volk ist groß und fühlt seine schauerlich erhabene Bestimmung. Die Söhne wollen wetteifern mit den Vätern, die so ruhmvoll und heilig ins Grab gestiegen.
Es dämmern gewaltige Thaten, und unbekannte Götter wollen sich offenbaren. Und dabey lacht und tanzt man überall, überall blüht der leichte Scherz, die heiterste Mokerie, und da jetzt Karneval ist, so maskiren sich Viele als Doktrinaire, und schneiden possirlich-pedantische Gesichter, und behaupten, sie hätten Furcht vor den Preußen. (…)”
DHA, Bd. 12/ 1, S. 103 f.
“(…) Meine Verbrengerin hat sich eine grünseidene Robe angeschafft, welche ich die Vitzliputzli-Robe nenne; ich habe ihr nämlich berechnet, daß die Robe so viel kostet wie das Honorar beträgt für das Gedicht Vitzliputzli, welches im Romancero enthalten ist. Wir leben in der größten Harmonie, im schönsten, kostspieligsten Frieden. (…) Der Romancero erregt mehr Begeisterung, als ich erwartete. Ich versichre Euch, es ist ein sehr schwaches Buch, man darf es aber nicht sagen. Ich habe es mit gelähmten Kräften geschrieben; mohlt Euch. (…)”
Heinrich Heine an Betty Heine am 5. Dezember 1851 (HSA Bd. 23, S. 166, Brief Nr. 1384)
Heine schreibt an seine Mutter nach Hamburg, über seine Frau, die “Verbrengerin”. “Mohlt Euch”, bedeutet soviel wie: stellt euch vor.
09.02.2010
" (…) Pädagogik war die Spezialität der Jesuiten, und obgleich sie dieselbe im Interesse ihres Ordens treiben wollten, so nahm doch die Leidenschaft für die Pädagogik selbst, die einzige menschliche Leidenschaft die ihnen blieb, manchmal die Oberhand, sie vergaßen ihren Zweck, die Unterdrückung der Vernunft zu Gunsten des Glaubens, und statt die Menschen wieder zu Kindern zu machen, wie sie beabsichtigten, haben sie im Gegentheil, gegen ihren Willen, durch den Unterricht die Kinder zu Menschen gemacht. Die größten Männer der Revoluzion sind aus den Jesuitenschulen hervorgegangen, und ohne die Disciplin dieser letztern wäre vielleicht die große Geisterbewegung erst ein Jahrhundert später ausgebrochen. (…)"
Aus: “Geständnisse”, nach DHA, Bd. 15, S. 52
08.02.2010
" (…) Ach wie gerne, wie gar zu gerne, mein theuerster Heine, plauderte ich einmal über dise und andre Dinge mit Ihnen von Angesicht zu Angesicht, aber ich kann an eine Reise zu Ihnen für’s erste noch nicht denken. Ohne meine Frau kann und mag ich nicht mehr reisen, dann kommen aber meine zwei kleinen Buben in Betracht, die Geldfrage spricht auch sehr bedeutend mit zumal jetzt da der unselige Krieg im Frühjahr ohne Zweifel kolossale Dimensionen annehmen wird. Und dazu nun noch die Industrie-Ausstellung die während des ganzen Jahres 1855 Paris vergiften wird ! So schiebt sich die Erfüllung meines Lieblingswunsches immer weiter hinaus ! Wenn ich jetzt daran denke wie mich Alles das hält und fesselt, wie Alles das mich hat und besitzt was ich zu haben und zu besitzen glaube, Frau und Kind, Haus und Garten, – dann muß ich wieder an ein Wort von Ihnen denken das Sie mir einst im Jahre 1837 erwiederten: Sie hatten damals einen einzigen schlechten und wackeligen Tisch, an welchem zu schreiben ein Stück Seiltänzerkunst war: ich redete Ihnen zu einen guten Tisch zu kaufen, überhaupt mehr Comfort der Art: »Dann würde ich der Sklave des Tisches sein!« erwiederten Sie mir, – ein Wort dessen Sinn mir erst viel später klar geworden ist. Indessen hoffe ich doch mit der Gunst des Geschickes, die mich noch immer favorisirt hat, alle dise Schwierigkeiten zu überwinden, sobald der rechte Augenblick gekommen, und Sie noch hienieden wiederzusehn: nur die fatale Gewerbe-Ausstellung muß erst vorüber sein und gutes und warmes Wetter, dann komme ich und lasse alle Schwierigkeiten die ich nicht zu überwinden vermochte, hinter mir: ich habe eine gar zu große Sehnsucht Sie einmal wieder zu sehn ! (…)"
Johann Hermann Detmold an Heinrich Heine am 24. November 1854 (HSA Bd. 27, S. 264, Brief Nr. 1187)
07.02.2009
“(…) Ich bin so betäubt vom Opium, das ich zu wiederholten Malen eingenommen, um meine Schmerzen zu betäuben, so daß ich kaum weiß was ich dictire. Dazu kommt, daß schon diesen Morgen ein dummer Teufel von Landsmann bei mir war, der in einer langen u. langweiligen Unterredung Ideen mit mir austauschte; durch diesen Austausch von Ideen habe ich vielleicht seine dummen Ideen im Kopfe behalten, u. ich habe vielleicht einige Tage nöthig, ehe ich mich derselben ganz entäußere u. wieder einen vernünftigen Gedanken fassen kann. Der Mann sah alles grau in grau, was auch seine eigne Farbe ist; er sagte, Deutschland stünde an einem Abgrund – nun da ist es gut, daß Deutschland kein wildes Roß ist, sondern ein gescheutes Langohr, dem es vor dem Abgrund nicht schwindelt u. an dem Rand desselben ruhig hinwandeln kann. (…)”
Heinrich Heine an Georg Weerth am 5. November 1851 (HSA Bd. 23, S. 147, Brief Nr. 1371).
06.02.2010
“(…) Ja, während w i r dem Grabe entgegen gehen, messen sich die großen Völker rings um uns herum in immer neuen Unternehmungen, in immer größern Thaten. Während w i r Todte und Verrückte auf den Markt bringen, liegt in London die ganze Welt offen in ihren schönsten, herrlichsten Produkten. –
Durch den Atlantic halten Britten und Amerikaner ihre großen Wettrennen; wer New-York oder Liverpool in 10 Tagen erreiche, oder in 9 Tagen und so iel Stunden. In Kalifornien ist ein mächtiges Reich entstanden in zwei Jahren. Die Produktion der Australischen Küsten ist in kurzer Zeit so sehr gesteigert, daß schon jezt die Wolle unsrer Antipoden das Produkt der adlichen Schafzüchter im Herzen von Sachsen und Schlesien zu verdrängen anfängt. Mit jedem Tage rücken die russischen Eisenbahnen dem Baltischen- und dem Schwarzen-Meere näher; das Gold des Ural muß die Wege bahnen, auf denen bald der Bodenreichthum des Innern Rußlands nach allen Richtungen dringen wird, um in einer Konkurrenz auf Leben und Tod den deutschen Ackerbau zu vernichten. Was die Eisenbahnen auf dem Festlande zurecht bringen, vollendet seit der Abschaffung der englischen Navigations-Akte, die Ausdehnung der Segelschiffahrt auf allen Meeren, so daß bald die Produkte des Missisippi eben so rasch und billig in unsern Häfen eintreffen werden wie die Produkte des eigenen Landes.
Dann beginnt der große Kampf; nicht der Kampf des Christenthums mit dem Heidenthum; der Welfen mit den Gibellinen, der Whigs mit den Torys; nein! es heißt: Kampf zwischen dem Golde des Ural und dem Golde Kaliforniens; Kampf zwischen russischem und amerikanischem Getreide; Kampf zwischen amerikanischem und deutschem Korne; Kampf zwischen australischer und deutscher Wolle; Kampf zwischen der Baumwolle und dem Flachs; Kampf zwischen den westindischen Kolonien und der deutschen Runkelrübe! Und in diesem Zusammenstoß, in dieser Völkerwandrung, nicht der Cimbern, der Gothen und der Hunnen – nein, der Korn- der Kaffe- und der Wollsäcke, ja, in diesem unerhörten Wettstreit der Produktion jungfräulicher Länder, werden die alten Reiche der Franken und der Germanen, ausgesogen bis auf die Hefen, verschuldet bis über die Ohren, sich vergebens anstrengen: Land, Lage, Wissenschaft, neue Einrichtungen geltend zu machen; der Preisunterschied wird stets zu ihrem Nachtheil sein und wenn sie der Preisunterschied immer entschiedener dazu zwingt die Produktionskosten zu ermäßigen und der Hunger, der Vater der Revolutionen, die Könige geschlachtet, den Adel gefressen haben wird, da werden wir doch wahrscheinlich noch in der großen Völkerschlacht der Konkurrenz überwunden und vernichtet, so daß nach Jahren vielleicht von ganz Deutschland nichts anderes übrig bleibt als die Hegelsche Philosophie und ein Band Ihrer Gedichte – – (…)”
Georg Weerth an Heinrich Heine am 10. Juni 1851 (HSA Bd. 26, S. 293, Brief Nr. 899).
05.02.2010
“(…) Übrigens lebe ich hier in großer Ruhe, die schönste Harmonie herscht zwischen mir und meiner Gattin, u. ich sage immer Ja. (…)”
Heinrich Heine an seinen Bruder Gustav Heine am 17. April 1852
01.02.2010
Was die Amis so machen, wenn sie so richtig sauer sind, aber viel Geld haben und/ oder berühmt sind, kann man(n) hier nachlesen.
Die Kurzfassung: sie ziehen ihr Geld von Großbanken ab und geben es u.a. Genossenschaftsbanken !
Move your money ! Yes we can ….
28.01.2010
" (…) Hier ist Alles still, nur daß viele wahnsinnige Deutsche herkommen und mich stören und langweilen. (…)"
Heinrich Heine an Julius Campe am 14. Dezember 1846 (HSA Bd. 22, S. 234, Brief Nr. 1162).
25.01.2010
Ein großer Buchhändler und Antiquar ist gestorben, unser Beileid an die Familie und die MitarbeiterInnen, Jürgen Voerster ist tot.
20.01.2010
Interessante Neueingänge
![]()
Zahlreiche Bände der “Bibliothek Deutscher Klassiker” eingetroffen.
Hier über “Katalog” —→ “Allerletzte Neueingänge aus allen Gebieten” aufzurufen, oder über prolibri.de.
Aus der Reihe der “Bibliothek Deutscher Klassiker”, der Verlag gehört zu Suhrkamp/ Insel. Der Versuch einer deutschen “Pleiade”. In einer Monotype-Garamond auf Persia Dünndruckpapier von Schoeller & Hoesch. In der Buchbinderei Lachenmeier, Reutlingen, in dunkelblaues Feincanvas der Vereinigten Kaliko, Bamberg, gebunden. (18,3 × 11,5 cm) Kl.8°. O.-Lnbde. OU. O.-transparente Schutzumschläge. Nahezu neuwertige Exemplare.
15.01.2010
“(…) Wir sind im Herzen gewappnet gegen das Mißfallen dieser heldenmüthigen Lakayen in schwarz-roth-goldner Livree. Ich höre schon ihre Bierstimmen: du lästerst sogar unsere Farben, Verächter des Vaterlands, Freund der Franzosen, denen du den freyen Rhein abtreten willst! Beruhigt Euch. Ich werde Eure Farben achten und ehren, wenn sie es verdienen, wenn sie nicht mehr eine müßige oder knechtische Spielerey sind. Pflanzt die schwarz-roth-goldne Fahne auf die Höhe des deutschen Gedankens, macht sie zur Standarte des freyen Menschthums, und ich will mein bestes Herzblut für sie hingeben. Beruhigt Euch, ich liebe das Vaterland eben so sehr wie Ihr. Wegen dieser Liebe habe ich dreyzehn Lebensjahre im Exile verlebt, und wegen eben dieser Liebe kehre ich wieder zurück in’s Exil, vielleicht für immer, jedenfalls ohne zu flennen, oder eine schiefmäulige Duldergrimasse zu schneiden. Ich bin der Freund der Franzosen, wie ich der Freund aller Menschen bin, wenn sie vernünftig und gut sind, und weil ich selber nicht so dumm oder so schlecht bin, als daß ich wünschen sollte, daß meine Deutschen und die Franzosen, die beiden auserwählten Völker der Humanität, sich die Hälse brächen zum Besten von England und Rußland und zur Schadenfreude aller Junker und Pfaffen dieses Erdballs. Seyd ruhig, ich werde den Rhein nimmermehr den Franzosen abtreten, schon aus dem ganz einfachen Grunde: weil mir der Rhein gehört. Ja, mir gehört er, durch unveräußerliches Geburtsrecht, ich bin des freyen Rheins noch weit freyerer Sohn, an seinem Ufer stand meine Wiege, und ich sehe gar nicht ein, warum der Rhein irgend einem Andern gehören soll als den Landeskindern. (…)”
Aus “Deutschland. Ein Wintermärchen.”
(Aus dem Vorwort zum Einzeldruck von 1844) nach DHA, Bd. 4, S. 300 f.
“Die Deutschen arbeiten an ihrer Nazionalität kommen aber damit zu spät. Wenn sie dieselbe fertig haben, wird das Nazionalitätswesen in der Welt aufgehört haben und sie werden auch ihre Nazionalität gleich wieder aufgeben müssen, ohne wie Franzosen oder Britten, Nutzen davon gezogen zu haben – "
Aus: “Bruchstücke. Notizen zum Deutschland-Thema (1844)” nach DHA, Bd. 4, S. 299.
14.01.2010
“(…) Traurig schau ich in die Höh’,
Wo viel tausend Sterne nicken —
Aber meinen eignen Stern
Kann ich nirgends dort erblicken.
Hat im güldnen Labyrinth
Sich vielleicht verirrt am Himmel,
Wie ich selber mich verirrt
In dem irdischen Getümmel. — "
ex: “Jetzt wohin ?” (Romanzero)
13.01.2010
“(…) das Leben ist ein ewiger Plack in meinen Verhältnißen; man ist an eine Galere geschmiedet, von der der Todt nur die Feßeln lösen kann. – Man bedarf einen guten Vorrath guter Laune, festen Blick und Bestimmtheit, um mit so sehr sich durchkreuzenden Intereßen und Charakteren in Frieden und Freundschaft auf die D a u e r Hauszuhalten ! (…)”
Julius Campe an Heinrich Heine am 5. Februar 1839 (HSA Bd. 25, S. 194, Brief Nr. 471).
12.01.2010
“(…) Ich selber bin dieses Guerilla-Krieges müde und sehne mich nach Ruhe, wenigstens nach einem Zustand, wo ich mich meinen natürlichen Neigungen, meiner träumerischen Art und Weise, meinem phantastischen Sinnen und Grübeln, ganz fessellos hingeben kann. Welche Ironie des Geschickes, daß ich, der ich mich so gerne auf die Pfühle des stillen beschaulichen Gemüthlebens bette, daß eben ich dazu bestimmt war, meine armen Mitdeutschen aus ihrer Behaglichkeit hervorzugeißeln und in die Bewegung hineinzuhetzen! Ich, der ich mich am liebsten damit beschäftige, Wolkenzüge zu beobachten, metrische Wortzauber zu erklügeln, die Geheimnisse der Elementargeister zu erlauschen und mich in die Wunderwelt alter Mährchen zu versenken … ich mußte politische Annalen herausgeben, Zeitinteressen vortragen, revoluzionäre Wünsche anzetteln, die Leidenschaften aufstacheln, den armen deutschen Michel beständig an der Nase zupfen, daß er aus seinem gesunden Riesenschlaf erwache … Freylich, ich konnte dadurch bey dem schnarrchenden Giganten nur ein sanftes Niesen, keineswegs aber ein Erwachen bewirken … Und riß ich auch heftig an seinem Kopfkissen, so rückte er es sich doch wieder zurecht mit schlaftrunkener Hand … Einst wollt ich aus Verzweiflung seine Nachtmütze in Brand stecken, aber sie war so feucht von Gedankenschweiß, daß sie nur gelinde rauchte … und Michel lächelte im Schlummer … Ich bin müde und lechze nach Ruhe. Ich werde mir ebenfalls eine deutsche Nachtmütze anschaffen und über die Ohren ziehen. (…)”
11.01.2010
aus Heines Testament vom 13. November 1851:
“(…) La grande affaire de ma vie était de travailler à l’entente cordiale entre l’Allemagne et la France, et à déjouer les artifices des ennemis de la démocratie qui exploitent à leur profit les préjugés et les animosités internationaux. Je crois avoir bien mérité autant de mes compatriotes que des Français, et les titres que j’ai à leur gratitude sont sans doute le plus précieux legs que j’aie à conférer à ma légataire universelle. (…)”
[Die große Aufgabe meines Lebens war es, an dem herzlichen Einverständnisse zwischen Deutschland und Frankreich zu arbeiten und die Pläne der Feinde der Demokratie zu durchkreuzen, die die internationalen Vorurteile und Feindseligkeiten zu ihrem Nutzen ausbeuten. Ich glaube mich sowohl um meine Landsleute als auch um die Franzosen verdient gemacht zu haben, und die Ansprüche, welche ich auf ihre Dankbarkeit besitze, sind ohne Zweifel die wertvollste Hinterlassenschaft, die ich meiner Universalerbin übertragen kann.]
“Deutsche und franzö[sische] Frauen.
Die deutschen Oefen wärmen besser als die fr. Kamine,
aber daß m[an] hier das Feuer lodern sieht ist angenehmer.
Freudiger Anblick, [a]b[e]r Frost im Rücken –
Deutsche Oefin wie wärmst du treu und scheinlos.”
(DHA, Bd. 10, S. 336,
das Faksimile findet sich hier.)
08.01.2010
“(…) Ich bin sehr lebensheitrer Stimmung und habe dem siechen Körper diesen Winter manchen Genuß abgetrotz – eine Folge solchen Trotzes ist meine Müdigkeit in diesem Augenblick. (…)”
Heinrich Heine an Karl Immermann am 14. März 1830 (HSA Bd. 20, S. 390, Brief Nr. 337).
07.01.2009
Heine rheinisch-hanseatisch kulinarisch und “Lokal” patriotisch:
“(…)
Als Republik war Hamburg nie
So groß wie Venedig und Florenz,
Doch Hamburg hat bessere Austern; man speist
Die besten im Keller von Lorenz.
Es war ein schöner Abend, als ich
Mich hinbegab mit Campen;
Wir wollten mit einander dort
In Rheinwein und Austern schlampampen.
(…)
Ich aß und trank, mit gutem Ap’tit,
Und dachte in meinem Gemüthe:
»Der Campe ist wirklich ein großer Mann,
Ist aller Verleger Blüthe.
Ein andrer Verleger hätte mich
Vielleicht verhungern lassen,
Der aber giebt mir zu trinken sogar;
Werde ihn niemals verlassen.
Ich danke dem Schöpfer in der Höh
Der diesen Saft der Reben
Erschuf, und zum Verleger mir
Den Julius Campe gegeben!
Ich danke dem Schöpfer in der Höh,
Der, durch sein großes Werde,
Die Austern erschaffen in der See
Und den Rheinwein auf der Erde!
Der auch Citronen wachsen ließ,
Die Austern zu bethauen –
Nun laß mich, Vater, diese Nacht
Das Essen gut verdauen!«
Der Rheinwein stimmt mich immer weich,
Und löst jedwedes Zerwürfniß
In meiner Brust, entzündet darinn
Der Menschenliebe Bedürfniß.
(…)"
Deutschland. Ein Wintermärchen.
Caput XXIII
06.01.2010
Habe soeben eine “Bibliothek” in situ photographiert. Vielleicht dient es ja den eBook-Anhängern zur Inspiration:
© C. Schäfer: La Bibliotheque Imaginaire
-——————————————————————————-
05.01.2010
“The critic has to educate the public, the artist has to educate the critic.”
Oscar Wilde
“Any fool can criticize, condemn and complain and most fools do.”
Benjamin Franklin
“The best things and best people rise out of their separateness;
I’m against a homogenized society because I want the cream to rise.”
Robert Frost
31.12.2009 und 01.01.2010
“Paris den 28 Dec. 1848.
Liebste gute Mutter!
Obgleich mir das Schreiben verboten ist, kann ich doch nicht umhin Dir
eigenhändig zum Neuen Jahre zu gratuliren. Gott erhalte Dich und schenke
Dir noch viele u glücklichere Lebensjahre! Auch Dir gratulire ich, liebes
Lottchen – [eigenhändige Zeichnung), vergl. das Faksimile
Ein Neujöhrchen wie wir sie in Düsseldorf des Morgens aßen, beim Kaffé,
der aus drey Bohnen und 3 Pfund Cigorien bestand. Von Zucker keine Idee!
Erinnerst Du Dich noch der großen Kanne, die ein Blumentopf oder wie
eine römische Vase aussah? War von sehr schönem schwarzen Blech. –
Lebt wohl u behaltet lieb
Euren getreuen
H. Heine.”
(HSA Bd. 22, S. 304,Brief Nr. 1255 Heinrich Heine an Betty Heine am 28. Dezember 1848)
30.12.2009
" P a r i s , 3. Juni 1840.
Die Pariser Tagesblätter werden, wie überhaupt in der ganzen Welt, auch jenseits des Rheines gelesen, und man pflegt dort der heimathlichen Presse, im Vergleich mit der französischen, den Werth derselben überschätzend, alles Verdienst abzusprechen. Es ist wahr, die hiesigen Journale wimmeln von Stellen, die bey uns in Deutschland selbst der nachsichtigste Censor streichen würde; es ist wahr, die Artikel sind in den französischen Blättern besser geschrieben und logischer abgefaßt, als in den deutschen, wo der Verfasser seine politische Sprache erst schaffen und durch die Urwälder seiner Ideen sich mühsam durchkämpfen muß; es ist wahr, der Franzose weiß seine Gedanken besser zu redigiren, und er entkleidet dieselben, vor den Augen des Publikums, bis zur deutlichsten Nacktheit, während der deutsche Journalist, weit mehr aus innerer Blödigkeit als aus Furcht vor dem tödtlichen Rothstift, seine Gedanken mit allen möglichen Schleyern der Unmaßgeblichkeit zu verhüllen sucht; und dennoch, wenn man die französische Presse nicht nach ihrer äußern Erscheinung beurtheilt, sondern sie in ihrem Innern, in ihren Büreaux, belauscht, muß man eingestehen, daß sie an einer besonderen Art von Unfreyheit leidet, die der deutschen Presse ganz fremd und die vielleicht verderblicher ist als unsre transrhenanische Censur.
Alsdann muß man auch eingestehen, daß die Klarheit und Leichtigkeit, womit der Franzose seine Gedanken ordnet und abhandelt, aus einer dürren Einseitigkeit und mechanischen Beschränkung hervorgeht, die weit mißlicher ist, als die blühende Confusion und unbeholfene Ueberfülle des deutschen Journalisten ! (…)"
Aus: Heinrich Heine: Lutezia. Berichte über Politik, Kunst und Volksleben. Erster Theil. XI.
29.12.2009
Was hat Karl Kraus noch einmal zum Thema Journalist gesagt ?
Er sei einer, der nachher alles vorher gewußt hat.
Und Robert Lembke ?
Das seien die Leute, die die Hälfte ihres Lebens damit zubrächten, über Dinge zu schreiben, von denen sie keine Ahnung hätten, und die andere damit, nicht über die Dinge zu schreiben, die sie wissen.
Und Heinrich Heine zum Thema Denunziant ?
Nachlesen, es lohnt.
28.12.2009
#Zwitschervögel:
DiskussionsKULTUR ? Es geht, neudeutsch gesagt, eh immer nur um’s “dissen”!
Den anderen niedermachen, seine Ideen kaputtreden und stänkern. Selbstprofilierung auf Kosten der anderen, Selbststilisierung zum lonesome cowboy, zum lone ranger, zum Einzelkämpfer, zum Sniper.
Warum nicht mal zur Abwechslung solidarisch und konstruktiv ? Selbst AKTIV werden, was zu machen, statt nur pseudointellektuell rumzulabern, nachedenken und noch mal nachdenken, vielleicht zu erkennen, ICH komme zwar allein klar, aber wahrscheinlich viele andere nicht.
Die Größe haben zuzugeben, daß das, was andere bisher auf die Beine gestellt haben, vielleicht doch so ganz schlecht nicht ist. Aus dem Sandkasten herauszukommen und wieder mit den anderen zu spielen.
WIR (alle) SIND DAS antiquariat !
to diss
24.12.2009
ex: Französische Zustände. Artikel VIII. 27. 5. 1832.
“(…) Weder Seyn noch Nichtseyn, sondern Ruhe oder Unruhe, ist die große Frage der Börse. Danach richtet sich auch der Diskonto. In unruhiger Zeit ist das Geld ängstlich, zieht sich in die Kisten der Reichen, wie in eine Festung, zurück, hält sich eingezogen; der Diskonto steigt. In ruhiger Zeit wird das Geld wieder sorglos, bietet sich preis, zeigt sich öffentlich, ist sehr herablassend; der Diskonto ist niedrig. So ein alter Louisd’or hat mehr Verstand als ein Mensch, und weiß am besten, ob es Krieg oder Frieden giebt. Vielleicht durch den guten Umgang mit Geld haben die Leute der Börse ebenfalls eine Art von politischem Instinkte bekommen, und während in der letzten Zeit die tiefsten Denker nur Krieg erwarteten, blieben sie ganz ruhig und glaubten an die Erhaltung des Friedens. (…)”
DHA, Bd. 12/1, S. 163 f
23.12.2009
“(…) Und die Moral? Der Fabulist
Verschweigt sie heute mit klugem Zagen,
Denn mächtig verbündet in unseren Tagen
Das reiche Ungeziefer ist.
Es sitzt mit dem Geldsack unter dem Arsch
Und trommelt siegreich den Dessauer Marsch. (…)”
22.12.2009
" (…) Mag da draußen Schnee sich thürmen,
Mag es hageln, mag es stürmen,
Klirrend mir ans Fenster schlagen,
Nimmer will ich mich beklagen,
Denn ich trage in der Brust
Liebchens Bild und Frühlingslust."
“Jeder wer heurathet ist wie der Doge der sich mit
21.12.2009
“Ich schreibe wenig, lese viel.”
Heine an Moser, 11.01.1825
18.12.2009
Robert Darnton (hat u.a. ein glänzendes Buch über glänzende Geschäfte mit der Encyclopedie geschrieben) in der New York Review of Books über google und die digitale Zukunft.
“(…) The digitizing, open-access distribution, and preservation of orphan works could be done by a nonprofit organization such as the Internet Archive, a nonprofit group that was built as a digital library of texts, images, and archived Web pages. In order to avoid conflict with interests in the current commercial market, the database would include only books in the public domain and orphan works. Its time span would increase as copyrights expired, and it could include an opt-in provision for rightsholders of books that are in copyright but out of print. (…)”
Preisindex mit rasanten Gewinnkurven für Sammler .
16.12.2009
“(…) Ich schreibe Ihnen heute unter den verdrießlichsten aeußern Verhinderungen: draußen schneekaltes Sturmwetter, in meinem Zimmer mehr Rauch als Feuer, neben mir ein Papagey der beständig schreit und ein schönes Weib welches mit einer alten tauben Magd zankt – Und wie sieht’s erst im Innern aus, in der Seele – wie in einem alten Schornstein worin Heerige getrocknet werden und die Hexen auf ihren Besenstielen auf und ab steigen!
(…)
Ich lebe viel, schreibe wenig und gebe gar nichts heraus. Letzteres hat ganz andre Gründe, als Sie wohl vermuthen dürften. (…)”
Heinrich Heine an Heinrich Laube am 7. Januar 1839
15.12.2009
“(…) Der Teufel setze sich solchen Infamien aus, die in’s Narrenhaus, aber nicht in eine Buchhandlung sich qualificiren, wo keiner ueberflüßig steht.
Ja, lieber Heine! das Leben ist ein ewiger Plack in meinen Verhältnißen; man ist an eine Galere geschmiedet, von der der Todt nur die Feßeln lösen kann.
– Man bedarf einen guten Vorrath guter Laune, festen Blick und Bestimmtheit, um mit so sehr sich durchkreuzenden Intereßen und Charakteren in Frieden und Freundschaft auf die D a u e r Hauszuhalten! (…)”
Julius Campe an Heinrich Heine am 5. Februar 1839
14.12.2009
“(…) Ich befinde mich gesünder und heiterer als jemals, und genieße mit vollsaugender Seele alle Süßigkeiten dieser Lustsaison. Dank den ewigen Göttern! Ihr Freund H. Heine.”
Heinrich Heine an Julius Campe am 12. Januar 1836
12.12.2009
" (…) Ich habe große Furcht vor dem Gräul einer
Proletarierherrschaft und ich gestehe Ihnen, aus
Furcht bin ich ein Conservativer geworden. (…)"
Heinrich Heine brieflich an Gustav Kolb am 27. Januar 1841
“(…) So sitze ich in einem colloßalen Vorrathe und Sie wißen:
Bücher sind kein Geld ! (…)”
Julius Campe in einem Brief an Heinrich Heine am 15. August 1852
11.12.2009
Frei nach Joseph von Westphalen:
Warum wir keine Bananenkisten verwenden …
… weil wir es für unsinnig halten, unsere wertvollen Bücher in Kartons zu packen, die produktionsbedingte Löcher aufweisen !
“Rechner, Radtke, Radiergummi” ?
Heute doch wohl eher “Apple, APO, Amazon” und radiert wird doch von den meisten Kollegen auch nicht mehr, “dank” automatisierter Preis-Runterschraub-tools.
04.12.2009
“(…) Ich bin Kaufmann und muß von Handel leben; aber Krämergeist und Gemeinheiten, wie Ihre jüngsten Briefe mir andichten, sind mir von jeher fremde Dinge gewesen. Nie hat mich der Reiz nach Geld irgend etwas Unwürdiges thun laßen. Glauben Sie mir, lieber Heine, hätte ich solchen Lockungen folgen wollen, ich könnte ein reicher Mann seyn. Weil ich jedoch Kraft genug in mir selbst fühle, so bin ich den mühevolleren Weg gewandelt; aber diesen wahrlich nicht um mich als Gauner hingestelt zu sehen! Ich kann und kann dergleichen nicht ertragen, wie Sie mir zumuthen. (…)”
Julius Campe an Heinrich Heine am 7.August 1833
“(…) Der Buchdrucker und Buchhdler ist der natürliche Feind aller Censur so wie die Katze die Maus, der Hund die Katze – bekriegt, und die sollten sich unter einander verrathen? nein solche Tölpel sind sie noch nicht. (…)”
Julius Campe an Heinrich Heine am 23.Juli 1834
03.12.2009
Wir spinnen, wir Düsseldorfer !
Es liegt Schnee
am Rhein !
25.11.2009
Heute sind wir alle mal AUXBÖRGER !
Unrien – Henri Heine, sa biographie en francais.
Some odd and weird informations in english about Harry Heine.
10.11.2009
Schreibe am Katalog der Heine-Sammlung Söhn, es geht langsam voran.
![]()
Erscheinungstermin wird wohl eher der Todes- als der Geburtstag unseres Dichters sein. Das Material ist noch vollständig vorhanden, wir werden ein Preismodell finden, das einen Gesamterwerber bevorzugt, der Einzelverkauf wird erst nach einer gewissen Frist beginnen.
03.11.2009
Hier der link auf ein Video zur Preisverleihung von marelibri.com an Cornelia Funke.
![]()
Vielen Dank an die lieben Kollegen der Antiquariate Birrgarten und Labyrinth in Hannover.
29.10.2009
“(…) Man wird einmal sagen, dass Heine und ich bei weitem die ersten Artisten der deutschen Sprache gewesen sind – in einer unausrechenbaren Entfernung von Allem, was blosse Deutsche mit ihr gemacht haben.”
Friedrich Nietzsche: (Ecce Homo: Warum ich so klug bin. 4., 1888)
(KGA VI,3/284)
“The comfort of coming to a man of genius, who finds in verse his freest and most perfect expression, whose voyage over the deep of poetry destiny makes smooth! The magic of Heine’s poetical form is incomparable; he employs this form with the most exquisite lightness and ease, and yet it has at the same time the inborn fulness, pathos, and old-world charm of all true forms of popular poetry. Thus in Heine’s poetry, too, one perpetually blends the impression of French modernism and clearness with that of German sentiment and fulness.”
—MATTHEW ARNOLD
ex: http://www.poetry-archive.com/h/heine_heinrich.html
28.10.2009
Cornelia Funke (Tintenherz) ist marelibri Ehrenantiquarin 2009/ 2010, herzlichen Glückwunsch auch von hier aus !
15.10.2009
“Kluge Leute können sich dumm stellen. Das Gegenteil ist schwieriger.”
Kurt Tucholsky
Pünktlich zur Antiquariatsmesse im Rahmen der Frankfurter Buchmesse erschienen:
Das Buch als Gesamtkunstwerk II
150 bibliophile Drucke
in signierten Meistereinbänden
Der Versand an die Vorbesteller, bzw. die Verteilung auf der Messe läuft.
10.10.2009
“(…)
Ja, wir lieben dieses Land.
Und nun will ich euch mal etwas sagen:
Es ist ja nicht wahr, dass jene, die sich ›national‹ nennen und nichts sind als bürgerlich-militaristisch, dieses Land und seine Sprache für sich gepachtet haben. Weder der Regierungsvertreter im Gehrock, noch der Oberstudienrat, noch die Herren und Damen des Stahlhelms allein sind Deutschland. Wir sind auch noch da.
Sie reißen den Mund auf und rufen: »Im Namen Deutschlands … !« Sie rufen: »Wir lieben dieses Land, nur wir lieben es.« Es ist nicht wahr.
Im Patriotismus lassen wir uns von jedem übertreffen – wir fühlen international. In der Heimatliebe von niemand – nicht einmal von jenen, auf deren Namen das Land grundbuchlich eingetragen ist. Unser ist es.
Und so widerwärtig mir jene sind, die – umgekehrte Nationalisten – nun überhaupt nichts mehr Gutes an diesem Lande lassen, kein gutes Haar, keinen Wald, keinen Himmel, keine Welle – so scharf verwahren wir uns dagegen, nun etwa ins Vaterländische umzufallen. Wir pfeifen auf die Fahnen – aber wir lieben dieses Land. Und so wie die nationalen Verbände über die Wege trommeln – mit dem gleichen Recht, mit genau demselben Recht nehmen wir, wir, die wir hier geboren sind, wir, die wir besser deutsch schreiben und sprechen als die Mehrzahl der nationalen Esel – mit genau demselben Recht nehmen wir Fluß und Wald in Beschlag, Strand und Haus, Lichtung und Wiese: es ist unser Land. Wir haben das Recht, Deutschland zu hassen – weil wir es lieben. Man hat uns zu berücksichtigen, wenn man von Deutschland spricht, uns: Kommunisten, junge Sozialisten, Pazifisten, Freiheitliebende aller Grade; man hat uns mitzudenken, wenn ›Deutschland‹ gedacht wird … wie einfach, so zu tun, als bestehe Deutschland nur aus den nationalen Verbänden.
Deutschland ist ein gespaltenes Land. Ein Teil von ihm sind wir.
Und in allen Gegensätzen steht – unerschütterlich, ohne Fahne, ohne Leierkasten, ohne Sentimentalität und ohne gezücktes Schwert – die stille Liebe zu unserer Heimat."
Kurt Tucholsky, sehr “heinisch” im Vorwort zu “Deutschland, Deutschland über alles !”
09.10.2009
Melancholie des Abends
- Der Wald, der sich verstorben breitet –
Und Schatten sind um ihn, wie Hecken.
Das Wild kommt zitternd aus Verstecken,
Indes ein Bach ganz leise gleitet
Und Farnen folgt und alten Steinen
Und silbern glänzt aus Laubgewinden.
Man hört ihn bald in schwarzen Schlünden –
Vielleicht, daß auch schon Sterne scheinen.
Der dunkle Plan scheint ohne Maßen,
Verstreute Dörfer, Sumpf und Weiher,
Und etwas täuscht dir vor ein Feuer.
Ein kalter Glanz huscht über Straßen.
Am Himmel ahnet man Bewegung,
Ein Heer von wilden Vögeln wandern
Nach jenen Ländern, schönen, andern.
Es steigt und sinkt des Rohres Regung.
06.10.2009
Ich denke, daß wir die Quelle für “My Way” gefunden haben, Frankieboy hat bei Schopenhauer abgekupfert:
„Finale.
Ermüdet steh’ ich jetzt am Ziel der Bahn,
Das matte Haupt kann kaum den Lorbeer tragen:
Doch blick’ ich froh auf das was ich gethan,
Stets unbeirrt durch das was Andre sagen.“
01.10.2009
Spread the word: anti-mobbing Kinder-Seite im Netz
benötigt Spender !
30.09.2009
Habe die letzten Tage viele Stunden in Goch in der Druckerei B.o.s.s verbracht, der Katalog ist fast fertig und wird bald verschickt.
25.09.2009
Im düsteren Auge eine Träne,
Rhino seems to be history ! #Musikindustrie
24.09.09
16.09.2009
ACHTUNG: Subskriptionsbeginn:
“Das Buch als Gesamtkunstwerk II
150, überwiegend signierte Meistereinbände”
Unkostenbeitrag 30.- Euro incl. Versand innerhalb Deutschlands.
Das Manuskript ist beim Drucker. Auslieferung Anfang Oktober 2009.
Besteller, die die gesamte Reihe, oder diesen Band bereits vorbestellt haben, brauchen nicht erneut zu subskribieren.
12.09.2009
Zwei Begriffe, die uns im Umgang mit gewissen Großechsen vielleicht weiterhelfen:
Palilalie und Verbigeration.
Bin kein Fachmann, es wäre für einen solchen jedoch sicherlich von Interesse, die korrekte Diagnose zu stellen.
Ein schöner Cartoon von Marunde
05.09.2009
“Mangez sur l’herbe
dépêchez-vous
un jour ou l’autre
l’herbe
mangera sur vous”
Jacques Prévert
31.08.2009
Haderer bringt es im Stern auf den Punkt
Gemeint ist No. 6 von derzeit 126 Cartoons, der “Bücherwurm 2009”, aber “Woodstock: 40 Jahre später” ist auch sehr nett.
Wie schon Hans von Weber meinte: “Lex mihi ars !”
„Büchersammeln
Erzähle einem Biedermanne, daß du Bücher liest, er wird etwas zurückhaltend, aber doch wohlwollend sein schweres Haupt wiegen; sprich ihm davon, daß du dir die Bücher sogar kaufst, er wird ein Erstaunen nicht verbergen können; verrate ihm, daß du manches Buch erstanden hast, um teures Geld erstanden hast, nicht eigentlich um daraus zu lesen oder zu lernen, sondern im Grunde genommen nur aus Freude an dem Besitz, weil es schön war oder selten, oder sonst einen Reiz für dich hatte, kurz, verrate ihm, daß du Bücher sammelst, – der Biedermann wird seine Fassung verlieren, hinfüro voll Ekel deine Gesellschaft meiden, wie man die Gesellschaft eines Aussätzigen, geistig Defekten, Dichters, Zuhälters meidet, Du hast durch dein Bekenntnis einen Menschen verloren. (…)
E. S.-S.“
Ernst Schulte-Strathaus im „Zwiebelfisch“, 1. Heft des 6. Jahrgangs.
„Über Bücherlesen.
Hoffentlich verlernen wir nicht völlig das Bücherlesen im Tempo unserer Gegenwart, Herbert Eulenberg beginnt ein Buch:
‘Heut, wo man meistens nur vom Boxen spricht,
Vom Fußball allenfalls und noch vom Schwimmen,
Heut’ wird ein Buch mit geistigem Gesicht
Nur mühsam über tausend Leser klimmen.
- -
Der du dies kaufst, giltst dann als Wunderwesen,
Das man bestaunt: Ein Mensch, er kann noch lesen !’
Wie kann man das ändern ? Wie wird das Bücher-Interesse erhöht ?“
Fragt der „Zwiebelfisch“ im XX. Jahrgang bereits 1926/ 27.
_Laut Hans von Weber rauchen echte Bibliophile Zigarren, „nur der Bayrossammler raucht Zigaretten“._
Der Bibliomise ist das Gegenteil vom Biblio_philen_, er haßt, was der andere liebt. In der „Bücherstube“ tradierter Ausdruck von Rolf von Hoerschelmann.
“Beta-Version“ eines Wörterbuches, wie Microsoft-Software, nur besser:
„Als H. John Pytches in Suffolk sein großes Wörterbuch der englischen Sprache (1806) erscheinen ließ, wurde jedem Subkribenten zunächst ein schlechtes Exemplar (rough draught) gegeben, ein Exemplar mit breitem Rand für Anmerkungen, Zusätze, Verbesserungen, die an den Verfasser oder an den Verleger monatlich eingesandt werden sollten. Nach Verarbeitung aller eingelaufener Kritiken, Zusätze etc., erhielt dann jeder Subskribent ein verbessertes Exemplar unentgeltlich.“
Aus: „Die Bücherstube“, 2. Jahrg. (1923), 2. Heft, S. 63.
Andere Zeiten, ähnliche Probleme:
„Die Kataloge
Nulla die sine catalogo – aber manchmal sind es deren auch drei und vier, die die Post morgens bringt. Ein Katalog-Taumel hat die Welt erfaßt. Sie häufen sich zu Stapeln auf dem Schreibtisch, sie verdrängen alles andere darauf, und wollte man sie alle von A bis Z studieren, so käme man überhaupt zu nichts anderem mehr. So bleibt denn auch nichts anderes übrig, als aus der Überfülle ein paar herauszugreifen, die den Aufwand an Mühe und Zeit, den ihre Lektüre erfordert, wenigstens bis zu einem gewisse Grade zu lohnen versprechen. Daß dabei der eine oder andere Katalog unter den Tisch fällt, ist nicht zu vermeiden, obgleich er vielleicht, nicht minder sorgfältig bearbeitet, nicht minder inhaltreich, nicht minder hoffnungsfroh publiziert, Erwähnung verdiente. Diese Chronik hier wird erst wieder den sachgemäßen Überblick über die Kataloge gewährleisten können, der Verlag und Redaktion des ‘Sammlerkabinett’ bei der Begründung der Zeitschrift leitender Gedanke war, wenn die momentane Katalogflut abebbt und normalere Verhältnisse einen solchen Überblick wieder gestatten. Wir konzidieren ja jedem Antiquar gerne, daß er seine Bestände zu Geld machen will, um weiterarbeiten zu können, wie immer er seinen Beruf auffassen mag. Aber was zuviel ist, ist zuviel. Das Angebot steht jetzt in gar keinem Verhältnis mehr zur Nachfrage. Und wenn auch die Konkurrenz den Markt belebt, im Wettbewerb die Kräfte sich entwickeln . Wo sollen denn nur die Käufer herkommen ? Dieses Riesenangebot von Büchern, in zahllosen Katalogen zur Tatsache geworden, muß notwendigerweise einen Preissturz herbeiführen, der nicht im Interesse der Sache und weder auch in dem des Verkäufers liegt, der dadurch nur Vermögensverluste erleidet, noch in dem des Käufers, der nervös und unsicher wird. Denn das Buch, das er heute nach dem einen Katalog bestellt, findet er morgen in einem anderen um etliche Mark billiger und übermorgen in einem dritten noch billiger. Das ist ein ganz ungesunder Zustand, der auf die Dauer unhaltbar ist und überhaupt keine Wertungen mehr zuläßt.“
„Das Sammlerkabinett“ (2. Jahrgang, 1923/24, Heft 12). S. 38.
Auf S. 40:
„ (…) Und man kann dem Gedanken kaum wehren, daß mindestens die Hälfte aller bibliophilen Veröffentlichungen der letzten Jahre sich in den Händen von Antiquaren befindet, also, was doch eigentlich widersinnig ist, nicht so sehr für den Bücherliebhaber geschaffen scheint als vielmehr für den, der daraus ein Geschäft macht. Aber wo bleibt selbst das Geschäft, wenn etwa von 200 Exemplaren eines Druckes der Officina Serpentis 50 Antiquare gleichzeitig über mindestens je 4 verfügen ? Wenn sie sie nicht verschleudern, werden sie sie nie los werden (…).“
„Merkwürdig: allenthalben ist seit Monaten schon die bewegliche Klage zu hören, daß ‘man’ sich Bücher doch nicht mehr kaufen könne. Und etwas, vielleicht sogar viel Wahres mag ja auch daran sein. ‘Unser tägliches Brot’ erfordert in der Tat in fast allen Schichten den größten Teil der Einnahmen, ob das nun vor kurzer Zeit noch Millionen waren, im Augenblick, da diese Zeilen niedergeschrieben werden, Milliarden sind und morgen Fest-, Renten- oder Goldmark sein werden. Aber wie reimt sich das zusammen damit, daß unentwegt (und erfreulicherweise) neue Bücher auf den Markt geworfen werden können, was doch ein aussichtsloses und törichtes Tun wäre, wenn ‘man’ nicht mehr Bücher kaufte ? Wie damit, daß das Antiquariat ebenso unentwegt (und ebenso erfreulicherweise) immer neue Antiquariatskataloge veröffentlicht ? Gewiß, der Buchhändler, der Antiquar haben nun einmal ihr Metier, und selbst wenn dieses durch die Ungunst der Zeit einmal weniger einträglich sein sollte (was jetzt ohne Zweifel der Fall ist), so können sie es deshalb nicht kurzerhand mit einem vielleicht einträglicheren Berufe wechseln, nein: sie sollen und dürfen es sogar nicht. Es heißt ‘durchzuhalten’. Aber immerhin ist die Anzahl neuer Antiquariatskataloge wieder einmal so groß, daß man daraus nicht gerade auf einen Stillstand im Antiquariatshandel schließen kann, und wenn auch Klappern zum Handwerk gehört und Kataloge notwendigste Propagandaartikel sind, so dürfte doch kein einziger Antiquar so dumm sein, das Geld, das viele Geld, das die Herstellung eines Kataloges heute kostet, einfach nur zum Fenster hinauszuwerfen.
Also müssen wohl doch immer noch Käufer dasein oder schon wieder dasein, was ja auch nur mit Freude zu begrüßen wäre. Nicht anders wäre ja auch zu erklären, daß gerade jetzt so mancherlei neue Antiquariatsfirmen auftauchen, andere alte Filialen in Berlin errichten, verschiedene renommierte Buchhandlungen sich ein Antiquariat angliedern.“
Ludwig Sternaux (?) in „Das Sammlerkabinett“, Jahrg. 2 (1923/24), Heft 6, S. 37
Bücherliebhaber früher und jetzt
“(…) Als das Schlimmste bei dieser Umwertung der Bibliophilie von heute empfinde ich, daß vielfach gerade diejenigen, die für Bücher das größte Verständnis, die tiefsten Kenntnisse, den höchsten Genuß und die innigste Liebe haben, jetzt aus Mangel an Mitteln, weil die nötigsten Bedürfnisse des Lebens ihre ganzen Einnahmen verbrauchen, von dieser schönen Liebhaberei allmählich ablassen müssen. Es werden ja auch die anderen geistigen Genüsse denen, die das meiste davon haben, mehr und mehr verschlossen. Wer sich nun gar sehr einschränken muß und nicht mehr, wie er so gern möchte, viel Neues zu dem, was er in seiner Bibliothek besitzt, hinzufügen kann, der wird vielleicht nun umso innigere Freude haben an seinen lieben Büchern und, um Ablenkung von der Zeiten Not zu finden, um so häufiger mit denen, die ihm geblieben, in stillen Stunden vertraute Zwiesprache führen. Und ich weiß, ein rechter Bücherliebhaber wird für ein neues gutes schönes Buch gern ein Opfer bringen und lieber an anderer Stelle darben. Kann er noch ein neues Buch in seinen Bücherschrank einstellen, so wird seine Freude daran um so herzlicher sein. Für den wahren Bücherfreund wird auch ein kleiner und ganz bescheidener Besitz an Büchern (…) eine Stärkung in trüber Zeit sein.“
_*Hans Loubier* in „Das Sammlerkabinett“_, Jahrgang 1 (1922/23), Heft 6, S. 6
“In seiner Stube ohne Menschen eingeschlossen sein, auch wenn man Bücher zu Gesellschaftern hat, bringt doch auf die Länge eine gewisse Leerheit und Trockenheit des Geistes hervor.”
Christian Garve: Über Gesellschaft und Einsamkeit
“Wenn jemandem gelänge, die Bibliotheken und sämtliche Bücher zu vernichten – dreißig Jahre später könnte kein Schlosser mehr auch nur eine Schraube anziehen.”
Thomas Alva Edison
Ein schönes Photo “unserer” Straße hier im Netz.
Ein weiteres Bild der Citadellstrasse , diesmal bei Nacht.
“Eine Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.”
Max Frisch
“Einem Kritiker
Das größte Maul und das kleinste Hirn
Wohnen meist unter der selben Stirn."
Arno Holz
“Du, der du mir über die Schulter blickst, hervorspähst
Unter dem schreibenden Arm – dein Atem bläst
Mir plötzlich heiß über Nacken und Hand,
So komm ich vom Thema ab und kratze da
Paar Worte an’n Rand für dich, für dich nur, ja !
(…)”
Robert Graves: Der Leser im Nacken
Für eine öffentliche Bibliothek
Du bringst dich selbst samt deinem Leben her
und bleibst bei dir und bleibst allein
und bist es doch schon längst nicht mehr.
Schlägst du die erste Seite auf im Buch:
in fremder Welt, im fremden Sein
bist du dein eigener Besuch.
Hermann Broch: Gedichte (Hausinschriften)
“In der Sprache der Düsseldorfer merkt man schon einen Übergang in das Froschgequäke der holländischen Sümpfe.
Ich will der holländischen Sprache beileibe nicht ihre eigentümlichen Schönheiten absprechen, nur gestehe ich, daß ich kein Ohr dafür habe. Es mag sogar wahr sein, daß unsere eigene deutsche Sprache, wie patriotische Linguisten in den Niederlanden behauptet haben, nur ein verdorbenes Holländisch sei. Es ist möglich.”
Heinrich Heine
Über den grenzwertigen bis krankhaften Umgang mit Büchern …
Und hier eine kranke Seite zum Thema.
Eine alte Anekdote zitiert, die dennoch für den einen oder anderen neu sein könnte:
Betritt ein Mann ein elegantes englisches, wohl ein Londoner Antiquariat. Der Antiquar eilt herbei und fragt ihn: “Are you a gentleman, Sir, or a dealer ?" Der Unbekannte antwortet: “Both, Sir !” und verläßt das Geschäft, um es nie wieder zu betreten.
_Aus gegebenem Anlaß von Richard Sennett Die Kultur des neuen Kapitalismus wiedergelesen, diesmal aufmerksamer.
Er äußert sich z.B. auf S. 136 zum Thema eMails:_
“… ein schriftlich übermittelter Text [hat] nur wenig Ähnlichkeit mit einem Gespräch. Die Sprache ist ärmer, denn die Technologie eliminiert typische Merkmale gesprochener Kommunikation wie Sprechpausen, die Zweifel oder Einwände zum Ausdruck bringen, ironische Gesten oder kurze Abschweifungen. Wenn die Technologie rigoros eingeführt wird, beeinträchtigt sie die Kunst der Kommunikation.”
Karl Wolfskehl: Lobgesang (1932)
“Büchern bin ich zugeschworen,
Bücher bilden meine Welt,
Bin an Bücher ganz verloren,
Bin von Büchern rings umstellt.
Zarter noch als Mädchenwangen
Streichl’ ich ein geliebtes Buch,
Atme bebend vor Verlangen
Echten Pergamentgeruch.
Inkunabeln, Erstausgaben,
Sonder-, Luxus, Einzeldruck:
Alles, alles möcht ich haben -
Nicht zum Lesen, bloß zum Guck !
Bücher sprechen ungelesen -
Seit ich gut mit Büchern stand,
Weiß ich ihr geheimstes Wesen:
Welch ein Band knüpft mancher Band !
Bücher, Bücher, Bücher, Bücher
Meines Lebens Brot und Wein !
Hüllt einst nicht in Leichetücher
Schlagt mich in van Geldern ein!"
Ich selbst will’s anders !
Nehmt bitte echt Zanders !
He is quick, thinking in clear images:
I am slow, thinking in broken images.
(…)
He in a new confusion of his understanding;
I in a new understanding of my confusion.
There’s a cool web of language winds us in
Retreat from too much joy or too much fear
Von wem stammen diese Zeilen ? Gugeln ist unsportlich, nur im Regal suchen gilt:
Das kühle Netz aus Sprache spinnt uns ein,
Zuflucht vor zu viel Glück und zu viel Angst …
ein eigen hêrt ist goldes wêrt
„Wenn A für Erfolg steht, gilt die Formel A=X+Y+Z. X ist Arbeit, Y ist Muße und Z heißt Mundhalten.“
Albert Einstein
Nachtrag zur Lektüreempfehlung:
Das Buch liest sich wie ein (Wirtschafts)krimi !
Alfred Flechtheim, George Grosz. Zwei deutsche Schicksale. Von Jentsch, Ralph.
Gebunden: 170 S. m. Abb. 21 cm. 315g, in deutscher Sprache. Weidle Verlag, 2008.
ISBN 3-938803-06-1 / ISBN 978-3-938803-06-6 KNV-Titelnr.: 20188017
23.00 EUR
Ralph Jentsch, früher selbst Galerist und heute Nachlaßverwalter von George Grosz, forscht seit vielen Jahren weltweit nach dem Verbleib der Bilder. Sein Buch liest sich wie ein Krimi, ist aber eine reale Geschichte von Betrug und Diebstahl eine Geschichte, die längst nicht zu Ende ist.
Alfred Flechtheim (1878-1937) war bis zu Hitlers Machtergreifung einer der bedeutendsten Kunsthändler in Deutschland und George Grosz (1893-1959) einer der bedeutendsten Künstler seiner Galerien. Beide mußten emigrieren und große Teile ihrer Kunstbestände zurücklassen. Diese wurden von skrupellosen Nazis und Geschäftemachern, durch den nationalsozialistischen Behördenapparat unterstützt, übernommen und teilweise auf zwielichtigen Auktionen verkauft. Noch heute ist der Verbleib vieler der Werke unbekannt. Flechtheim starb in großer Armut, seine Frau nahm sich am Vorabend ihrer angedrohten Deportation ins KZ das Leben.“Mein lieber Grosz, ich bin in Paris; meine Galerien verließ ich. Da meine Künstler u. ich diffamiert sind, keine Chancen in Bln Geld zu verdienen. Ich bin geldlos und pleite. Wie es in Bln aussieht wird Dir Deine Frau geschildert haben. Für Leute wie Du, wieich, wie Hofer, Kolbe ist da kein Platz. Es gibt nur parieren. Der Führer hat gesagt, daß Leute wie wir, wie Mies, wie Klemperer entweder ins Zuchthaus oder Irrenhaus gehören. Da er sein Wort hält u. nicht leer droht, sind alle Chancen dafür da. Meine Frau löst die Wohnung auf u. kommt dann her … sind arm wie Kirchenmäuse, und nervös.”(Alfred Flechtheim an George Grosz, Oktober 1933)
© 1996-2009 KNV Koch, Neff & Volckmar GmbH, Stuttgart
- Hier der link zu den vom Verlag gesammelten Rezensionen
-——————————————————————————-
Lektüre- und Ausstellungsempfehlung:
heute (18.02.09) um diesen link auf ein Interview ergänzt: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,608133,00.html
Verlorene Bilder, verlorene Leben. Jüdische Sammler und was aus ihren Kunstwerken wurde.
Von Müller, Melissa und Tatzkow, Monika. Unter Mitarb. v.Thomas Blubacher u. Gunnar Schnabel. Gebunden.
249 S. m. zahlr. z.Tl. farb. Abb. 28,5 cm; 1350g, in deutscher Sprache. München, Sandmann 2009.
ISBN 3-938045-30-2 / ISBN 978-3-938045-30-5
KNV-Titelnr.: 21056501
34.00 EUR
Autorenporträt
Melissa Müller, 1967 in Wien geboren, schreibt als freie Journalistin für deutschsprachige Kultur- und Nachrichtenmagazine. Ihr Buch “Das Mädchen Anne Frank” (Claassen 1998) erregte international großes Aufsehen und
wurde 2000 mit Ben Kingsley und Hannah Taylor Gordon in den Hauptrollen verfilmt. Melissa Müller lebt in München.
Im größten Kunstraub aller Zeiten enteignete das Naziregime etwa 600.000 Kunstwerke aus jüdischem Privatbesitz. Seit 1945 bemühen sich Geschädigte
und Erben um die Erstattung ihrer “verlorenen” Bilder – meist mit mäßigem Erfolg. Während die Medien häufig nur über die heute zu erzielenden Kaufpreise der Bilder berichten, geht es den Autorinnen Melissa Müller und
Monika Tatzkow um die Menschen hinter den einstigen Sammlungen und um ihren künstlerischen Weitblick. In ausgewählten Biografien, die so außergewöhnlich und spannend sind, dass jede für sich ein Buch verdient,
stellen sie bekannte und vergessene Sammler vor und geben tiefe Einblicke in die Problematik der Wiedergutmachung.
Text © KNV
Geraubt. Die Bücher der Berliner Juden.
… + + + 26.3.1943: “In der städtischen Pfandleihanstalt Elsässer Str.74 und in deren Lager Thaerstr. 31 lagern über 40 000 Bände aus Privatbüchereien evakuierter Juden. […] Es ist in dieser Masse, wie eine Besichtigung ergab, alles von wertlosem Schund bis zu recht wertvollen
Beständen vorhanden, ein großer Teil ist unerwünschtes oder verbotenes Schrifttum, das eingestampft werden muss. […] Die für die städtischen Büchereien nicht verwertbaren aber noch brauchbaren Bücher werden seitens
der Stadtbibliothek an das buchhändlerische Antiquariat verkauft. […] Dies ist die einzige Regelung, die die Stadt wirklich vor Schaden bewahrt.” + + + 29.4.1943: “Betr. Übernahme unserer Bestände an
gebrauchten Büchern aus Wohnungen evakuierter Juden. […] bestätigen wir, dass Sie unsere noch vorhandenen Bestände an gebrauchten Büchern zum Preise von RM 45.000.- […] erworben haben. Es ist Ihnen bekannt, dass
die Bücher aus den Judenwohnungen stammen, deren Inhalt die Reichshauptstadt Berlin vom Reich […] käuflich erworben hat. […] Sie können in den üblichen Dienststunden von Ihren Beauftragten abgeholt
werden.” + + +
25.11.2008: Die Ausstellung “Geraubt. Die Bücher der
Berliner Juden” im Foyer der Berliner Stadtbibliothek präsentiert Bücher aus dem Zugang “J” und weiteres Raubgut aus Magazin und Depot. Nach 65 Jahren Benutzung werden die Bücher der Öffentlichkeit gezeigt. + + + …
Breite Str. 32 – 34, 10178 Berlin-Mitte
Foyer
===========
Don’t follow leaders, better read the Buch der Lieder !
===========
WäppZwoNull 18.01.09
Die neueste Sau, die momentan durchs digitale Dörfchen getrieben wird heißt so wie das, was Vögel tun: “twittern”.
Nichts liegt uns ferner, als uns daran zu beteiligen, oder der vorletzten Mode, dem “Bloggen” zu folgen, auch bei “facebook” und dergl. findet man uns nicht.
Wenn Sie wissen möchten, wie es uns geht, was uns bewegt, oder ob wir noch leben kommen Sie einfach mal hier im Laden vorbei, sind Sie zu weit von uns entfernt, greifen Sie beherzt zum Telephon und wählen 0211 – 13 26 12, die “Kontakt- und Sprachgestörten” unter uns dürfen aber gerne auch weiterhin mailen: heinrich@heineantiquariat.de
… allerdings nicht vergessen vorher das Hirn und vor dem Absenden die Rechtschreibeprüfung einzuschalten, beides wird leider viel zu oft versäumt.
So, das mußte ich einfach mal loswerden.
Christoph Schäfer
PS: Auch unter “Neuigkeiten” auf dieser Seite findet man ab und an aktuelle Lebensspuren von uns, aktueller jedenfalls als das “Jugendphoto” vom Kompagnon und mir unter[sic!] “Über uns”.
