Zitate

Aus gegebenem Anlaß eines von Jannis Ritsos:

Abwendung der Wahrheit

Im letzten Moment hielt er plötzlich inne; er beendete seinen |
Satz nicht; er fürchtete sich;
auch wir fürchteten mit ihm, um unseretwillen. Da wandte er |
sich ganz ab,
pflückte eine Blüte von dem Blumentopf am Fenster. “Ist sie |
nicht schön ? |
Ist sie nicht köstlich?” meinte er. Und wir stimmten eifrig zu,|
vielleicht der Abwendung des Schlusses wegen, erleichtert |
über den Aufschub und doch
besorgt um die Dauer des Aufschubs, angespannt, mit jenem |
Beben (dem fast fühlbaren), wenn man etwas trotz allem nicht |
wahrhaben will.

aus: Gedichte. Bibliothek Suhrkamp © Suhrkamp, 1991

… natürlich ein paar mehr von Heinrich Heine:

“Ich habe es, wie die Leute sagen,
auf dieser schönen Erde zu nichts gebracht.
Es ist nichts aus mir geworden, nichts als ein Dichter.”

in “Geständnisse”

Dem schließen wir uns gerne an, man tausche allerdings “Dichter” gegen “Antiquar”.

“(…) Ja, Doktor, mit dem Gelde geht bey solchen Leuten Ehre und Charakter verloren. (…)”

Aus: “›Die Bäder von Lukka” (DHA, Bd. 7/1, S. 415)

“(…) Nach den Gütern dieser Erde
Greifen alle um die Wette,
Und das ist ein ew’ges Raufen,
Und ein jeder stiehlt für sich !

Ja, das Erbe der Gesammtheit
Wird dem Einzelnen zur Beute,
Und von Rechten des Besitzes
Spricht er dann, von Eigenthum !

Eigenthum ! Recht des Besitzes !
O, des Diebstahls! O, der Lüge!
Solch Gemisch von List und Unsinn
Konnte nur der Mensch erfinden.

Keine Eigenthümer schuf
Die Natur, denn taschenlos,
Ohne Taschen in den Pelzen,
Kommen wir zur Welt, wir alle.

Keinem von uns Allen wurden
Angeboren solche Säckchen
In dem äußern Leibesfelle,
Um den Diebstahl zu verbergen.

Nur der Mensch, das glatte Wesen,
Das mit fremder Wolle künstlich
Sich bekleidet, wußt’ auch künstlich
Sich mit Taschen zu versorgen.

Eine Tasche ! Unnatürlich
Ist sie wie das Eigenthum,
Wie die Rechte des Besitzes –
Taschendiebe sind die Menschen ! (…)"

Aus: Atta Troll

“(…) So wahr mir Gott alles Guts gebe, das ist gut ! – rief Hyazinth – Winken Sie mir nicht, Herr Markese, was Sie wissen, das weiß ich, und was ich weiß, das wissen Sie. Und Sie, Herr Doktor, leben Sie wohl ! Um die Kleinigkeit mahne ich Sie nicht. (…)”

Aus: “Die Bäder von Lukka” (DHA, Bd. 7/1, S. 93)

“Kunst ist der Zweck der Kunst,
wie Liebe der Zweck der Liebe,
und gar das Leben selbst der Zweck des Lebens ist.”

Heine (am 23. August 1838 in einem Brief an Karl Gutzkow)

“Das ist schön bei den Deutschen:
Keiner ist so verrückt, dass er nicht
einen noch Verrückteren fände,
der ihn versteht.”

in: “Die Harzreise”


Abschließend zum Trost:

“Geld ist rund und rollt weg, aber Bildung bleibt.”

Heinrich Heine, in “Reisebilder” (Dritter Teil: Die Bäder von Lucca, Kapitel III).